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Der jüdische Wille · 1935-07-01 · Heft 5-6 (Juli 1935) · page 11

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 5-6 (Juli 1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Die jüdische Jugend fordert daher eine Bildung des einzelnen Juden aus geiner Gemeinschaft für die Bewältigung der jüdischen Aufgabe in der Welt* Es handelt sich nicht um Wissen und intellektuelle Schulung, nicht um die Schaffung von Stimmung und Atmosphäre, nicht um Persönlichkeitsbildung allein, nicht um eine menschlich-universale Bildung, nicht nur um das Bekenntnis der Verbundenheit mit der jüdischen Schicksalsgemeinschaft* Im Bewußtsein der jüdischen Geschichtsverbundenheit, in der Erkenntnis von der historischen Judennot entwickelt unsere Jugend den Willen zu ihrer entscheidenden Ueberwindung. Hier scheiden sich allerdings noch die Wege der Bildungspraxis. In der pädagogischen Form besteht im Wesentlichen Uebereinstimmung. Die Verschiedenheit wird deutlich in der Wertung des Bildungsstoffes und naturgemäß in der Einordnung der Erziehungsarbeit in die ideologische Ausrichtung des Bundes. Auf diese Unterschiede soll im Folgenden hingewiesen werden. Es wird dabei ausgegangen von einer Versuchserhebung, die der Reichsausschuß zur Vorbereitung des (in letzter Stunde abgesagten) Tages der jüdischen Jugend zunächst bei Berliner Bünden gemacht hat. Ihr lag ein Fragebogen-Entwurf von Professor Dr. Kantorowicz von der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung zugrunde. Ein abschließendes Urteil über das Ergebnis dieser Erhebung ist noch nicht möglich. Es kann vielmehr nur an Hand einer Stichproben-Auslese aus den ausgefüllten Fragebogen ein Bild gegeben werden von einigen charakteristischen Tatbeständen, die zum ersten Mal auf Grund konkreten Materials bestätigen, was grundsätzlich angenommen werden konnte« Eine Verallgemeinerung dieser Hinweise ist natürlich nicht möglich, wie überhaupt der Wert solcher Untersuchungen nur in dem Einblick begründet ist, den man in den durchschnittlichen Bildungsstand der Bundesmitglieder erhält. Wir haben daher aus dem Fragebogenmaterial eine Reihe von charakteristischen Antworten des Bundes deutsch-jüdischer Jugend und eines der zionistischen Bünde (Habonim) ausgewählt, wobei die Frage offen bleiben soll, welche Unterschiede eine solche Erhebung innerhalb der zionistischen Bünde selbst ergeben kann. Sieht man von allen Besonderheiten, die auf den Bildungsstand einwirken können, ab und beschränkt sich auf die wichtigsten Zusammenhänge, so zeigt sich Folgendes: t Die Schulbildung der — für die Untersuchung ausgewählten — Mitglieder des deutsch-jüdischen Bundes ist durchweg eine höhere im schultechnischen Sinne, Es überwiegen eindeutig Gymnasial- und Lyzeums-Bildung. Bei den Mitgliedern des zionistischen Bundes ist die Volksschulbildung (etwa in einem Drittel der Fälle) die Grundlage für den Berufseintritt. Die Berufsstruktur der jungen Menschen dieses Bundes weist beim gegenwärtigen Beruf (in der Hälfte der Fälle) eine handwerkliche Ausbildung auf. Bei dem deutsch-jüdischen Bund handelt es sich fast ausschließlich um kaufmännische Angestellte. Die Frage nach dem künftigen Berufsziel wurde von den Mitgliedern des zionistischen Bundes überwiegend mit haus- und landwirtschaftlichen oder handwerklichen Berufen in Palästina beantwortet. Die Mitglieder des deutsch-jüdischen Bundes können auf diese Frage naturgemäß nur mit der Wiedergabe ihres Berufs Wunsches antworten. Eine kleine Anzahl zieht die Auswanderung in den Bereich der Möglichkeiten. Allgemein wird jedoch ein kaufmännisches Berufsziel genannt, in Einzelfällen ferner Tätigkeit in der Gemeindeverwaltung, besonders in der Sozialarbeit, oder Lehrberufe. Im Augenblick soll auf den Zusammenhang zwischen elterlichem Milieu, Bildungsstand und Berufsziel nicht eingegangen werden. Es läßt sich nur, 135

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