Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2827066-3186711-3186716--1060-3187126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
es im Leben des jüdischen Menschen kein „Adiaphoron" gibt, keinen Augenblick, in dem er der Forderung Gottes indifferent gegenüber stehen könnte. Der Jude geht nicht unter dem Signum einer selbstbewußten Volksgenialität durch die Geschichte, sondern als leidender Knecht Gottes unter der schweren Last der Auserwähltheit, immer im Kampf gegen diese Auserwähltheit und immer wieder durch sie überwältigt und gesegnet. In aller Differenzierung jüdischen Lebens gibt es eine Kontuinität: Die Kontuinität des Gottsuchens und Gotterlebens. So erweist sich die Doppeltheit jüdischer Existenz, die Leo Baeck formuliert hat: „Die Religion hat sich nur kraft der Gemeinschaft erhalten und kann nur kraft ihrer leben. Und die Gemeinschaft kann sich nur kraft der Religion erhalten, und kann nur kraft ihrer leben." Wenn die Juden ein Volk wie die anderen Völker wären, hätten sie bestenfalls eine Bedeutung 1ftir die Lokalgeschichte des Vorderen Orients gehabt. Es gab bedeutende j.üdische Könige. Vor der großen Linie wirklichen Weltgeschehens waren sie 9klein. Wettgeschichtliche Bedeutung haben sie erst als die großen Gestalter fies religiösen Lebens bekommen. Das Judentum ist Weltgeschichte geworden durch seine Fundierung im Metaphysischen. oO/>MyQn kjer aug können wjr <Jen Standpunkt umreißen, von dem aus das jl&se Problem im Zionismus beantwortet werden muß. Solange die tien nur als Deutsche, Franzosen, Engländer das Land aufbauen, wird jll|s^ina nur ein Stück Frankreich oder England im Orient sein. Erst wenn ijjn hinübergehen, die den tieffließenden Strom spüren, der uns eindie Kette jüdischen Lebens, gleich ob ihre Entscheidung traditions- &8nroder von echter Liberalität getragen ist, wird Palästina nicht nur £raaitige kolonisatorische Tat und ungeheure menschliche und moralische ____^'sbjidern von fruchtbarer Bedeutung für das Judentum sein. Judentum 1Dedei!teT nicht nur Abstammung und Blutzusammenhang. Jude sein meint auch die Aufgabe und Bewährung vor der Forderung Gottes. Hier wird sich -«StscJ(ei^efty;cöi) der Zionismus eine Bedeutung nicht nur für die Judenheit, ^DttdetoLfüjjiidaSi Judentum, ob er eine jüdische oder eine politisch-ökonomische ~födeij£wig£]aah!e& wird. Ich möchte das Wort Nordaus vom ersten Kongreß -rre^i&jfen^lEifbsSgte: Das Judentum wird zionistisch sein, oder es wird nicht nseüfe nfe&mmäa&tes sagen, der Zionismus wird jüdisch sein, oder er wird sö'ißlüofc&ifejlIo v sib \ isüdßdoZ Laus i'di soc yj( .itisjfeuM bflu nsvistf \ ,o£ijßf)ä^fte|jg§#Sp4^bkm im Zionismus wird heute von manchen Seiten bereits formuliert. Aber seine Lösung wird oft verfehlt. Die religiösen Energien, die unzweifelhaft im Zionismus vorhanden sind, wollen sich entfalten. Aber . sie verfehlen ihr Objekt. Es liegt nahe, daß ein Volk, das sich in Bewegung setzt, um auf die Erde herabzusteigen, die es seit Jahrtausenden nicht bes^lil^/h^^VtaiWiei^/vtei^em Wunder seiner eigenen Erneuerung sich selbst vergöttert. Die religiösen Energien verwandeln sich in Energien des Bauens, Schaffens, der Politik. Es. suchte einmal jemand in einer Kwuzah eine ^«kgegS? toafedWinfeP^a. fragte er eine alte Frau: Wo kann man hier "Sflefi^^äW^e^ ife^fin^teigte mit der Hand auf die arbeitenden Männer: ^Bäs &aüWW^ Diese Antwort ist schön. Ohne harte und JnWofiMFme^fip jjJe?^£Sd und gewiß nicht Palästina gebaut werden. Z^!*??^ jüdische Tat. Sie wird erst jüdisch durch fSsrfifaj:: dem Dawwenen. Ich meine damit nicht ^SjiS&ei ff&tung als Grundtatsache jüdischer Existenz, FToile jüdi »ife^aa^Mie jüdische Leben. »«2