Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2827066-3186711-3186715--1048-3187113- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
dessen neuen Lebenswillen und seine Besinnung auf die eigene Kraft zur wichtigsten Voraussetzung haben, Rückkehr der Juden zum jüdischen Boden ist daher die Forderung des Dichters, die er besonders eindringlich und schön in den Gedichten „Hachschara" und „Die Siedler" zum Ausdruck bringt. „Die Schollen der Väter, sie warten auf ihn, Von jungen Fäusten gebannt. Die vor ihm gingen, harrten auf ihn, Der Boden ist ewiges Band. Er wird ihm gläubig entgegenziehn Als Bruder der Brüder im Land/* Dieser von Leidenschaft durchglühte Appell zur eigenen Vorbereitung für die tatsächliche Erlösung der jüdischen Scholle wird wirksam ergänzt durch das jüdische Ziel, das den zum schweren Ringen auf und um den väterlichen Boden Heimgekehrten gewiesen wird: „Der Same wird wachsen, den wir uns gesät, Wie die Wurzel im trächtigen Boden besteht, Die Söhne sind Walter und Wächten Wir geben die Pflüge in ihre Hand Als lebendes Erbe das blühende Land, Die Heimat unsrer Geschlechter." Der zweite Zyklus „Die Schöpfung" bringt eine glut- und lebensvolle Wiedergabe der Schöpfungsgeschichte. Die „Kinder des Ewigen" schließlich, die den letzten Zyklus bilden, sind Gestalten der jüdischen Geschichte, deren Leben und Schicksal jüdische Gesinnung wachzurufen geeignet rf»d. Und das letzte Gedicht des Bandes, „Makkabi", ist der markanteste Ausdruck des Freiheitswunsches, den der Dichter jüdischer Jugend einpflanzen, heranziehen und stark erhalten will. ,. _ . - Felix Bibro. Die Denkwürdigkeiten des widerspenstigen Propheten Jona. (Dr. Herbert Loewenstein, Kunstverlag, Berlin 1934.) Die 18 Zeichnungen, in die der Stift Ludwig Schwerins die Geschichte Jona's, des Propheten, eingefangen hat, erschließen eine ganz besondere Seite dieses biblischen Buches. Es ist nicht die Jörn Kippur- Haftara, in der die umfassende Liebe Gottes zu jeder Kreatur und die Kraft der Buße und Umkehr im Mittelpunkt stehen, die hier dargestellt wird; sondern die Fabel, das Märchen, in die diese Ideen eingebettet sind, ihr Groteskes und oft Burleskes wird mit viel Geschick und lustigen Details wiedergegeben. Die in Säcke gehüllten büßenden Tiere von Ninive, der tobende Prophet' vor dem verdorrten Strauch Kikajon bereiten ebenso viel Freude, wie das Aeffchen, das den vom Fisch an Land gespieenen und von Wasser triefenden Jona belauscht, oder der dem ins Meer Geworfenen nachgrüßende Schiffer. Das Ganze ist das Spiel einer Sommerlaune, entstanden an schönen Tagen „im Anblick des heiteren Mittelmeeres unter Blüten und reifenden Früchten der Orangen und Zitronen". Immerhin aber doch eine allgemeine Bemerkung: In keiner Zeit wurde — und das ist erfreulich —■ die Bibel mehr gelesen als jetzt. Sie schildert, von den ersten Blättern an, Menschen. Menschen in ihrer Größe, aber auch in ihrer Schwäche, Sfe vermeidet gewiß nicht die Schilderung von manchem Bizarren. Hier ist eine Klippe für den Zeichenstift. Er darf pur mit größtem Takt geführt werden. Deshalb soll im allgemeinen der Griffel des Humoristen biblischer Darstellung fernbleiben. Ob für das Buch Jona eine Ausnahme gestattet ist? Wir möchten es bejahen, weil schon den Alten das Schalkhafte in der Darstellung nicht verborgen blieb. Vielleicht überschreiten die beiden letzten Bilder die Grenzen, die der Illustration dieses Buches gezogen sein sollten. Aber es mag ausnahmsweise hingehen, weil es im Ganzen so hübsch ist. s. e. 120