Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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„Kibbusch", Eroberung durch Aufbau. (Hechaluz, Berlin, Februar 1935, 107 Seiten, 50 Pf.) Es kann immer wieder festgestellt werden, daß die Bücher und Schriften des Hechaluz — es gibt außer ihnen, abgesehen von den wenigen Werken der Privatverlage, kaum noch eine aktuelle deutschsprachige zionistische Literatur — besonders in den Kreisen der alten Zionisten und der Bundesbrüder zum großen Teil unbekannt sind. „Kibbusch" gehört zu den # besten Sammelschriften, die wir bisher gelesen haben. Wir wollen an zionistische Literatur die höchsten Ansprüche stellen. Hier ist aber in der Tat sachlich, literarisch und zionistisch kaum ein Einwand zu machen. Die Fragen, die Tatsachen und Probleme, die in diesem Heft zum Teil recht erschöpfend zur Darstellung kommen, sind so vielseitig, daß im Rahmen dieser Besprechung nur Einiges, was es verdient, hervorgehoben werden kann. Das Heft bringt neues, sehr instruktives und anschauliches Material über Emek-Chule, das wir heute noch sehr wenig kennen. So ist es verständlich, daß die Nachrichten über die Größe, Ameliorationspläne und -Kosten, natürliche Eigenschaften und landwirtschaftlichen Möglichkeiten von Chule sonst sehr widersprechend sind. Ueber unseren historischen und nationalen Anspruch auf Palästina einschließlich Transjordanien, der auf den Widerstand des arabischen Imperialismus stoßen mußte, wird eine Arbeit von A. Schwadron, vielen Zionisten nicht unbekannt, veröffentlicht. Schließlich seien noch zwei Beiträge erwähnt. Einige Zeit bildeten die Umstände, die z. B. zu der Erscheinung geführt haben, daß infolge Platzmangels in den Kwuzoth, die freiwillig neue Alijah aufgenommen haben, in das Zimmer eines Ehepaares ein „Dritter" einquartiert werden mußte, den Gesprächsstoff in den Sichoth der Snifim im Hechaluz. Dieser Diskussion lagen die beiden besagten Artikel zugrunde. Der eine, „Die Rache des Dritten", stammt von M. Beilinson, dem Redakteur des Dawar, der es sich und der ganzen zionistischen Arbeiterbewegung zur Aufgabe gemacht hat, jene Umstände solange auf die Tagesordnung zu setzen, bis sie ausgemerzt worden sind. Fürwahr, die ganze Angelegenheit ist so ernst, daß es zwecklos ist, in Sichoth mehr oder minder eingehend die erotische Seite der Angelegenheit, die in dem anderen Artikel, „Der Dritte" von Rachel, zum Ausdruck kommt, zu erörtern, sondern sie ist eine unserer wichtigsten Fragen: Ist es denn unmöglich, auf dem Lande solche Bedingungen zu schaffen, daß die Diskrepanz zwischen den Verlockungen der Stadt mit seinen höheren Löhnen, besseren Wohnungen usw. einerseits und unserer zionistischen Forderung, auf das Land zu gehen, andererseits auf ein Minimum herabgedrückt wird? Diese Diskrepanz erklärt letztlich Landflucht und die heutige katastrophale Proportion zwischen Stadt und Land. Diese Schrift, wie auch die früheren, zeugen von der Verantwortlichkeit des Hechaluz für den Gesamtzionismus. Wie leicht und verlockend wäre es, diese Literatur bestimmten politischen Parteiinteressen dienstbar zu machen I Daß dies nicht der Fall ist, dafür wollen wir dem Hechaluz dankbar sein. Und damit dies auch in der Zukunft nicht der Fall sein wird, muß die Einheit eines solchen verantwortlichen Hechaluz uns erhalten bleiben. Hat jemand berech* tigte Beschwerden, so gibt es andere Wege, sie zu bereinigen, als etwa den, einen Hechaluz Haklali gründen zu wollen. Jakob Rosenberg. 121