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Der jüdische Wille · 1935-06-01 · Heft 4 (Juni 1935) · page 30

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 4 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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ganz persönliche Verknüpfung mit den großen politischen Erfolgen des Zionismus in der Kriegs- und Nachkriegszeit herzustellen und ihnen bewußt zu machen, daß nur die Einsetzung der eigenen Persönlichkeit in der jüdischen Arbeit die Sache zum Erfolg und den einzelnen zur persönlichen Erfüllung führen könnte, und daß nur sie den durch politische Erklärungen geschaffenen Rahmen auszufüllen geeignet war. Sieht man von alledem ab, so bleibt eben als schwerwiegendster Vorwurf übrig, daß in dem bisherigen Nichterscheinen der Biographie die Verletzung einer Ehrenpflicht liegt, vielleicht aus Mangel an Traditionsgefühl, aus Mangel an Ehrfurcht. Aus Mangel an Besinnlichkeit bei einem Ueberfluß an Geschäftigkeit, welche Befriedigung durch die Tätigkeit des Tages findet, die natürlich nicht unterschätzt werden darf, die aber — nur scheinbar — nicht gestattet, Rückschau zu halten an einem Punkte des Weges. Aus Mangel an Korpsgeist, an wahrer Kameradschaft, die die Generationen so eng und gegenwärtig verbinden, daß die dahingegangenen nicht selig in nicht gelesenen Werken schlummern und nur in immer größeren Abständen, zuerst nach 10 Jahren, dann viertel jahrhundertweise zur Verehrung als Götzen aufgestellt werden. Gleich hinterher verlöschen die Scheinwerfer der Reden und Gesänge und durch den letzten Weihrauch dringt nicht einmal Moderduft hervor. Vielleicht kommt der Grund zu diesen Vorwürfen, sollten sie berechtigt sein, aus der Wurzel allen Uebels, aus der Entjudung, aus der heraus der Weg wieder gefunden werden muß von einem Judentum als zu „vernachlässigendem" nur religiösen Tatbestand zur Vielfalt lebendigen Volkstums hin, zur Selbstverständlichkeit der jüdischen Existenz, bei welcher ohne weiteres Geschichte und Sage stets gegenwärtig sind. In Palästina gibt es das jetzt wohl schon wieder, und für das Ausland muß das Buch die Stütze sein und weiter helfen bei der Erhaltung oder Neuanknüpfung der Ueberlieferung, wie es das Judentum von jeher getan hat. Dazu kommt das Bein'sche Buch sehr zurecht. Er hat zahlreiches Material, das bisher noch nie veröffentlicht oder benutzt worden ist, durchgearbeitet und mit der erforderlichen Objektivität, so weit man von einer Objektivität in einem solchen Falle sprechen kann, das Material verwertet und Schlußfolgerungen daraus gezogen. Er schildert die ziemlich judenfremde Jugend Herzls, während der es kaum negative oder positive Eindrücke jüdischer Art gegeben hat. Auch die Studentenzeit geht fast unbeschwert vorüber. Die Schmerzen, die Herzl bedrücken, sind rein menschlicher Art. Erst während des Pariser Aufenthaltes empfängt er die starken Eindrücke, die seine Wandlung zum Zionismus herbeiführen. Diese Zeit beginnt mit den Ereignissen des Sommers 1892, als eine Kette von Duellen zwischen Juden und Antisemiten die Judenfrage in den Vordergrund rückt. Es ist erstaunlich, daß Herzl damals schon klar erkannte, daß Sympathiekundgebungen von Nichtjuden nicht zu hoch gewertet werden dürfen, sondern daß Hilfe allein von den Juden selbst kommen kann. Damals schreibt Herzl bereits die ersten Stücke, in denen das jüdische Thema anklingt. Diese Zeit leitet über in den Abschnitt, in welchem Herzl, insbesondere angeregt durch die Dreyfuß«? Affäre, von der Judensache ganz gepackt, sich ausschließlich ihr widmet. Diese Periode ist zum größten Teil aus den Tagebüchern eingehend bekannt. Er verfaßt den Judenstaat, knüpft politische Verbindung für den Zionismus an und wird der Kopf der neuen Bewegung, von allen als die überragende Persönlichkeit anerkannt, der sich auch ein Nordau willig unterordnet, einer seiner wichtigsten Mitarbeiter, der schon damals als Schriftsteller und Kritiker der gesellschaft^ liehen Verhältnisse Weltruf hatte. Es kommt die Zeit der praktischen 118

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