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Der jüdische Wille · 1935-06-01 · Heft 4 (Juni 1935) · page 25

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 4 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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allein „mechanisches Fabrikat" in Wahrheit dargestellt hätte« konnte ihnen nichts gelegen sein; sie hatten die „organische Fusion" gewollt, Sie waren auch bereit gewesen, sie durchzuführen. Jetzt versagte sich der Partner» Es war nichts anderes möglich; die Präsidialmitglieder des KJV. entschlossen sich, so bitter schwer es ihnen fallen mußte, ihre Enttäuschung nach so kurzer Zeit öffentlich einzugestehen, die Fusion von sich aus für gänzlich aufgehoben zu erklären, und einen neuen a. o, KT« nach Berlin einzuberufen. Am 10. Februar 1923, 1 Yt Monate nach der Fusion, mußte der Kartelltag die Defusion genehmigen. Aufregung und Empörung richteten sich gegen den Blau-Weiß und gegen die Bundesbrüder, die das Ganze angeregt und eingeleitet hatten. Daß Perl, Löwenstein und Leo Rosenblüth auf eine Kandidatur zum neuen Kartell-Präsidium verzichten mußten, war das notwendige Ergebnis ihres persönlichen Mißerfolges. Darüber hinaus aber mußten sich alle gestehen, daß sie selber vergebens in eine Selbstaufgabe eingewilligt hatten. Es blieb nichts anderes übrig, als das alte KJV. neu aufzubauen und allen Fusionsträumen zu entsagen. Nur aus eigener Kraft konnte das Kartell wieder etwas werden. Die zornige Stimmung, die anfangs, nicht ganz mit Unrecht, sich gegen den Blau-Weiß geltend gemacht hatte, aus der heraus Bileski im JSt. seinen bitterbösen Artikel „Post festum" geschrieben hatte, ging langsam vorüber. Aber nicht zu verschweigen war eben doch, daß das Kartell umsonst in Selbstentäußerung sich überboten hatte, Nicht zu beschönigen war es, daß man selber in die ganze Blamage sich hineinmanövriert hatte. Nicht aus der Welt schaffen ließ sich die Tatsache, daß manche Bundesbrüder vorher doch gewarnt und dagegen gestimmt hatten, Es war die natürliche Folge der ganzen Affäre, daß nun die Führung im Kartell an die Kreise überging, die schon immer nur eine maßvolle Reform gewollt hatten, Arthur Stein übernahm als Präside das schwere Amt des Neuaufbaus, VI. Dieser Neuaufbau ging unendlich langsam vor sich. Anfänglich gab es noch neue Erschütterungen. Aus Kreisen der Alt-Herrenschaft entstand der „Erich-Rosenkranz-Bund", außerhalb des Kartells. Felix Danziger, Martin Ascher, Arthur Stein und GeorgHerlitz waren seine Initiatoren; sie meinten, daß das Kartell immer stärker zu einer reinen Jugendgemeinschaft sich entwickelt habe, und daß man den Alten Herren nicht zumuten könne, andauernd die sprunghaften Wandlungen einer derartigen Organisation mitzumachen. Um die Alten Herren, die im Kartell bleiben wollten, zu einem sinnvollen Zusammenschluß zu führen, gründete Felix Rosenblüth die Alt-Herren-Korporation „Kadimah", besetzte man ein vorläufiges Alt-Herren-Präsidium. Aber als Rosenblüth nach Erez Israel übersiedelte, schlief auch die anfänglich recht lebendige Kadimah ein. Eigene Jugendgruppen zu schaffen, gelang nicht. Die Berliner Hasmonaea mußte suspendieren, der VJSt, Berlin seine noch verbliebenen Leute in den Sport- VJSt. überführen. Bei der Maccabaea, die die Fusion am leidenschaftlichsten gefordert hatte, wirkte das böse Ende dieses Unternehmens sich natürlich besonders zerstörend aus. Die Inflation überschwemmte alles geistige Leben in Deutschland schlechtweg« kein Student dachte mehr wirklich an Studium, alles ging kaufmännischen Tätigkeiten nach, der Konvent verwandelte sich in die Nachbörse, und die Keilarbeit ging ein, da kaum noch Abiturienten die Universität bezogen. Es war im Jahre 1923 eine verzweifelte Situation, bei der man schon den Mut verlieren konnte. (Schluß folgt.) 113

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