Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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eintraten. Nach scharfen Kämpfen, dramatischen Spannungen, quälendem Hin und Her war endlich die Einigung grundsätzlich erreicht«. Eine neue Epoche in der Geschichte der zionistischen Jugendbewegung Deutschlands schien zu beginnen. Aber nun wurde offenbar, daß der unter beiderseitigen großen inneren Widerständen gefaßte Entschluß nicht in die Wirklichkeit überführt werden konnte« Eine Zusammenarbeit im Sinne des neuen Statuts kam einfach nicht zustande. Es ging nicht, es ließ sich nicht durchsetzen, es war schlechter» dings nicht möglich. Der Blau-Weiß konnte sein bisheriges Leben nicht ändern; wenn hier und da nun KJV.er zu den Heimabenden kamen, konnten sie beim besten Willen eben doch nicht anders wie als störende Gäste betrachtet werden. Der Blau-Weiß hatte gar nicht das Gefühl, die KJV.er notwendig zu haben; es war ohne sie so schön gegangen, was brauchte man sie jetzt? Gewiß, nun war die Fusion beschlossen worden; aber hatte der alte Blau-Weiß darum aufgehört zu bestehen? Er bestand weiter, es ließ sich nicht leugnen, und so peinlich die Situation dem KJV. gegenüber auch war, man konnte doch nicht anders als bisher, man war Blau-Weiß durch und durch, und konnte eine parlamentarische Tagung, eine Statuten-Kommission, eine Reihe von trockenen Resolutionen das ernsthaft ändern? Die Beschlüsse des Fusions-Kartelltages standen auf dem Papier, das ganze neue KJB. Blau-Weiß hing irgendwo in der Luft,, und alle Versuche, es auf die Erde hinunterzuzwingen, blieben ergebnislos. Die Blau-Weiß-Führer im neuen Präsidium erfuhren und sahen das, und das Leben des Bundes, aus dem sie hervorgegangen waren, behielt weiter seine Macht über sie. Schon in der ersten Sitzung des Präsidium stellte Walter Moses Sonderforderungen: während man vorher vereinbart hatte, daß die Blau-Weiß-Mädchen autonom neben dem KJB. stehen sollten, verlangte er jetzt ihre Einbeziehung; was vollkommen unmöglich gewesen wäre, und den ganzen Neubau unter einer Lawine menschlicher Komplikationen begraben hätte. Obwohl Walter Moses vorher selbstverständlich zugesagt hatte, daß die selbständige Blau-Weiß-Bundesleitung aufhören würde zu bestehen, daß das Gesetz von Prunn außer Kraft treten würde — wie eben auch das KJV. seines Präsidiums, seiner Kartellordnung sich entäußern würde — forderte nun der Blau-Weiß in einem Memorandum, unterzeichnet von Martin Bandmann und Georg Strauß, daß alles dies rückgängig gemacht, überhaupt vorderhand, der großen menschlichen Verschiedenheiten wegen, diese Fusion aufgehoben, statt dessen eine restitutio der beiden Verbände ad integrum vorgenommen und lediglich ein gemeinsames oberstes Präsidium gewählt werde, dem es dann obliegen solle, eine wirkliche „organische Fusion4' an die Stelle des bisherigen „mechanischen Fabrikates" zu setzen. Man erklärte, das Gesetz von r)runn könne gar nicht aufgehoben werden, und wenn Walter Moses bei den Vorverhandlungen gesagt habe, das KJB. werde sein eigenes Gesetz haben, so habe er damit natürlich nicht ein „gemachtes Statut" verstanden, sondern eben ein Gesetz, das aus dem Leben des neuen Bundes ähnlich erwachsen müsse und werde, wie das Prunner Gesetz aus dem Leben des bisherigen Blau-Weiß. Die selbständige Bundesleitung könne gar nicht aufhören zu bestehen, und der Blau-Weiß sei eben einfach nicht imstande, sich selber aufzugeben. Kurzum: der Blau-Weiß, der schon überhaupt die Fusion nicht aus vollem Herzen gewollt hatte, erklärte sich außerstande, sie durchzuführen. Damit war für das KJV. eine neue, sehr schwere Situation geschaffen. Was sollten die KJV.er denn nun tun? Sie hatten alle ihre Traditionen preisgegeben, und nun wurde ihr Opfer nicht angenommen? An einem bloßen Dachverband, der tu