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Der jüdische Wille · 1935-06-01 · Heft 4 (Juni 1935) · page 23

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 4 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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notwendig, sie so gründlich als möglich zu beseitigen. Es gäbe überhaupt nur eine einzige Möglichkeit dazu, eben die Fusion» Und dann begannen die Kämpfe im Kartell, beispiellos heftig und langwierig. Der Ruder-VJSt. leistete energischen Widerstand. Aber überall sonst erwies es sich, daß eine gewisse defartistische Stimmung im KJV. der Fusionspropaganda Vorschub leistete, und sicher war natürlich wiederum eins: wenn es gelang, den Blau-Weiß zionistischpolitisch zu beeinflussen, so war unendlich viel gewonnen; dann würde auch das alte KJV. ohne Schaden den Strom jugendlichen Lebens aus dem Blau- Weiß in sich aufnehmen können. Ein großes, begeisterndes Bild einer geeinten zionistischen Jugendbewegung Deutschlands schwebte vor, um das zu kämpfen der Mühe wert war. Die Fusion — das mußten alle erkennen, ob ihre Anhänger oder ihre Gegner — bot eine große Chance. Auch im Blau-Weiß fanden um die gleiche Zeit Debatten statt; er war ja sozusagen die Braut, um die gefreit wurde; denn vom KJV. war der Fusionsvorschlag ausgegangen. Schon das gestaltete seine politische Position in dieser Frage um vieles günstiger. Die Widerstände im Blau-Weiß gegen eine Fusion waren weit stärker; denn so sehr das KJV. auch verachtet wurde, man hatte doch eine gewisse Furcht vor der „ertötenden Wirkung seines Betriebes"; man wollte die eigene Jugendgemeinschaft unversehrt erhalten. Aber dann traute man sich auch wieder zu, das KJV. umgestalten zu können; so wie man in Palästina in die Histadruth nicht eintreten, sondern sie erobern wollte, so hielt man für möglich, in dem neuen Bunde selber das Heft in der Hand zu behalten. Im Innern seines Herzens überwand der Blau-Weiß seine Antipathien gegen das KJV. auch dann nicht, als er dem Fusionsgedanken politisch schon ganz nahe getreten war; und nur aus dem Gefühl zionistischer Verantwortung, an die die leitenden Persönlichkeiten der ZVfD. immer wieder erinnerten, nicht aber aus Liebe oder aus Sehnsucht nach einem neuen Leben, wie sie das KJV. erfüllte, nahm er den Fusionsvorschlag allmählich auf und an. Zu Weihnachten 1922 trat in Berlin der außerordentliche Kartelltag zusammen, gleichzeitig mit der Führertagung des Blau-Weiß, um über die Fusion zu beschließen; das hatten alle Vorverhandlungen unzweideutig ergeben: man wollte keine bloße Arbeitsgemeinschaft, kein Rahmenkartell, sondern eine wirkliche Fusion. KJV. und Blau-Weiß sollten ihre Individualität aufgeben und zu einem neuen, dritten Organismus verschmelzen. So war auch das Statut abgefaßt, wonach Korporationen mit Bünden resp. Zügen sich verbinden, eine wahrhafte gegenseitige Durchdringung stattfinden sollte: das „Kartell Jüdischer Bünde Blau-Weiß" allein war imstande, die Hoffnungen, die an die Fusion geknüpft wurden, zu erfüllen. Mit großer Mehrheit beschloß der Kartelltag die Fusion; auch Männer wie Arthur Stein, die sonst der Jugendbewegung recht kritisch gegenübergestanden hatten, stimmten ihr zu; man wollte das Wagnis eingehen. Verschiedene Mißhelligkeiten passierten freilich noch kurz vor dem Abschluß. Die Bundesleitung des Blau-Weiß war drauf und dran, das vereinbarte neue Statut wieder fallen zu lassen, und fast wäre die Fusion daran gescheitert. Dem Wunsche des KJV., dem neuen KJB. Blau-Weiß eine repräsentative zionistische Persönlichkeit als Präsiden zu geben (man nannte dafür Felix Rosenblüth) wollte der Blau-Weiß nicht entgegenkommen; er nominierte dafür seinen Bundesführer Walter Moses. Man einigte sich schließlich auf ein kollegiales Präsidium, in das von Seiten des bisherigen Kartells Herbert Foerder, Fritz Löwenstein, Bruno Perl,n Felix und Leo Rosenblüth, sowie Hermann Weil, von Seiten des bisherigen Blau-Weiß Martin Bandmann, Werner Bloch, Benno Cohn, Hans Kaufmann, Walter Moses und Georg Strauß 111

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