Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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die zu kämpfen, gegen die sie schon so lange kämpfen, als sie zionistisch -denken können". Mögen bei vielen Ausgetretenen alte Ressentiments mitsprechen, diese Deutung ist unrichtig, wenn es nur einen „Gerechten" gibt, auf den diese Deutung des Austritts nicht zutrifft. Und es gibt mehr ab einen solchen Gerechten. Im Interesse der Aufrechterhaltung einer Einheit des Kartells ist es fett begrüßen, daß die Austrittsbewegung zum Stillstand gekommen ist, denn mit jedem Austritt wird die Gefahr einer völlig einseitigen Entwicklung in Palästina verstärkt. Jetzt gibt es noch viele Bundesbrüder, die mit dem auf der Berliner Tagung einstimmig angenommenen Friedenswunsche durchaus sympathisieren, sich infolge der letzten Entwicklung hier am Kartell weitgehend desinteressiert haben, aber bereit sind, wenn es um die Einheit des Gesamtkartells geht, einen entsprechenden Druck auf das Präsidium hier auszuüben» Als interessiertes Mitglied der Kidma teile ich Deine politischen Ansichten weitgehend, bin aber nichtsdestoweniger ein Gegner der von Dir und dem gegenwärtigen Präsidium vertretenen Tendenz zur „Politisierung des. Kartells". Dieser Weg war schon in Deutschland für die Einheit des Kartells gefährlich, in dieser Parteienzerklüftung in Palästina ist er es noch mehr. Und er erscheint hier noch weniger notwendig, da es für das Kartell in Palästina noch wichtigere als politische Aufgaben gibt. Felix Rosenblüth hat auf einer früheren K.J.V.Tagung in Tel Aviv bestimmte moralische Forderungen an den K.J.V.er gestellt. Er hat den Revisionismus aus moralischen Gründen für das K.J.V, abgelehnt, er hat aber auch aus demselben moralischen Gesichtspunkt u. a. Bodenspekulation als unvereinbar mit K.J.V.ertum bezeichnet. Und nun frage ich: Hat dieses Präsidium, das aus Anhängern Felix Rosenblüths besteht und auf dem Gebiet der Bekämpfung des Revisionismus Aktivität entfaltet, in der Frage der Bodenspekulation durch K.J.V,er einen Finger gerührt? Hat es überhaupt auch nur festgestellt, ob das Problem besteht? Material gesammelt? Erhebungen! veranstaltet? Einen Aufruf veröffentlicht? Jeder kann nur aus seinen persönlichen Erfahrungen urteilen, aber mir scheint, daß es auch K.J.V.er gibt, die mehr Boden — insbesondere auch aus jüdischer Hand — kaufen, als sie für ihr Haus oder ihre Wirschaft einmal verwenden wollen, also schädliche Bodenspekulation treiben. Bei dem Revisionistenbeschluß hat man zu seiner Rechtfertigung gesagt, er bedeute ein wertvolles Beispiel im Jischuw. Nun, ich glaube, eine Aktivität des Präsidiums gegen die Bodenspekulation durch K.J.V.er ist mindestens« so wichtig als Beispiel, und sie könnte sicher auf volle Zustimmung des Gesamtkartells rechnen und als positive, allen gemeinsame Aufgabe die Auseinanderentwicklung hemmen. Sage bitte nicht, daß ich jetzt plötzlich mit solchen Anregungen komme. Schon vor Wochen habe ich Präsidialmitglieder auf die Wichtigkeit dieser Aufgabe hingewiesen, ohne daß etwas erfolgt ist. Ich bin überzeugt, daß auch politische Gruppen an Leben gewinnen, wenn sie entschlossen den Finger auf moralische Schäden legen, statt sich in das parteitaktische Spiel zu verstricken und darin zu verlieren. Wenn Du die „Politisierung des Kartells" in dieser Richtung fördern willst, werde ich Dir dabei gern helfen. Mit bestem Gruß Dein Heinrich Strauß. (Eine Entgegnung des Palästina-Präsidiums, die in den nach Redaktionsschluß eingegangenen Mitteilungen des Landesverband Erez Israel enthalten ist, werden wir in der nächsten Nummer veröffentlichen- Red.) 105