Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Schau die heutige Situation ist mit einem einheitlichen Kartell nicht mehr recht vereinbar. Ein revisionistischer Bundesbruder kann in Basel oder Paris an leitender Stelle im Kartell tätig gewesen sein, in Palästina muß er gemäß dem Beschluß des letzten Kartelltags austreten, und es ist schließlich nur ein Zufall, der die grundsätzliche Möglichkeit nicht ändert, daß es in Deutschland augenblicklich keine revisionistische Organisation gibt. Als in Palästina zum ersten Male der Revisionistenbeschluß gefaßt wurde, habe ich — damals als Mitglied des deutschen Präsidiums — schon 4en Standpunkt vertreten, es müsse eine Formel gefunden werden, die von dem palästinensischen und dem außerpalästinensischen Kartelltag angenommen wird, sonst müsse eine verschiedene Stellungnahme in einer so wichtigen Frage zu einer Spaltung des Kartells führen. Du wirst Dich erinnern, daß ich auf dem letzten Kartelltag hier zu denen gehört habe, die zwar auf der Liste Felix Rosenblüth gewählt wurden, aber den Kartelltagsaufruf Rosenblüths vorher nicht gesehen oder gebilligt hatten. Unser Bestreben war, statt des negativ formulierten Revisionistenbeschlusses die K.J.Verpflichten positiv so abzugrenzen, daß ohne den Anschein des Brucheis mit dem alten K.J.V.-Grundsatz parteizionistischer Neutralität für die notwendige menschliche Reinigung gesorgt würde, d. h. Menschen, die sich der Disziplin der zionistischen Organisation widersetzen oder gar Aufrufe gegen den K.K.L. plakatieren, dem Kartell nicht angehören können. Eine solche positive Abgrenzung der K.J.V.erpflichten hätte Aussicht gehabt, auch vom Kartell außerhalb Erez Israels angenommen zu werden, und es wäre uns damit die heutige Auseinanderentwicklung erspart geblieben* Leider ist unsere Absicht an den Extremisten und der Parteimaschine auf beiden Seiten gescheitert. Insbesondere liegt hier eine schwere Schuld der ausgetretenen Bundesbrüder, daß sie durch die Erklärung Löwenbergs in der Kommission, den Statutenentwurf nicht annehmen zu wollen, alle Verständigungsversuche aussichtslos machten. Die Berliner Tagung vom 17. und 18. November vorigen Jahres kann einen erfreulichen Schritt zur Einheit bedeuten, wenn die Anregung, die Salli Hirsch am Schlüsse der Tagung als übereinstimmende Meinung aller Teilnehmer zusammengefaßt hat, vom Präsidium hier ernsthaft aufgenommen und weiterverfolgt wird, die Anregung nämlich, alle Anstrengungen zur Rückgewinnung der Ausgetretenen zu tun. Ich bin bei diesem Palästinapräsidium nicht sehr optimistisch, und es besteht die Gefahr, daß die' Auseinanderentwicklung weitergeht. Heute ist die Situation völlig wirr und zerfahren; In Deutschland schreibt der Redakteur des „Jüdischen Willen", den diese seine Stellung eigentlich in der heutigen Kartellsituation zu einer gewissen Zurückhaltung mahnen sollte, im Fettdruck im „Jüdischen Willen": „Kidma bedeutet Schisma"*), in Palästina tritt ein überzeugtes Kidmamitglied (Herlitz) aus Protest gegen die Entwicklung des palästinensischen Kartells aus. Egon Rosenberg macht sich die Erklärung zu einfach, wenn er auf der Berliner Tagung die Ansicht vertreten hat, die ausgetretenen Bundesbrüder hätten nur „eine Gelegenheit ergriffen, um gegen *) Hier irrt Strauß. Nicht der Redakteur schrieb diesen Satz in einem Artikel, sondern er entstammt dem Protokoll unserer November-Tagung. Dort aber sich zu äußern, kann man dem Bbr„ der die Redakion führt, nicht gut verwehren. Red* 104