Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1935-06-01 · Heft 4 (Juni 1935) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 4 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2827066-3186711-3186715--1030-3187095
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

'anderswo nicht gestellt werden oder deren Durchführung sonst nicht geschieht ,und aus irgendeinem Grunde unmöglich ist? Ich glaube, letztere Frage auf jeden Fall, auch wenn ich eine Entscheidung mehr von der gefühlsmäßigen Seite abhängig mache, bejahen zu müssen. Zwei Feststellungen berechtigen zu der Annahme, daß wir heute ein zusätzliches Moment im deutschen Zionismus bilden müssen. Wenn früher einmal einzelne zionistische Gruppen und unter ihnen vielleicht an erster Stelle das KJV., der Platz waren, von dem aus wichtigste zionistische Erfordernisse erfüllt wurden, von dem eine Schulung ausging, von dem aus die Front gegen die Assimilation gebildet wurde und der assimilatorische Mensch zum Zionismus gewonnen wurde, so hat sich seit dem Umbruch in Deutschland hierin eine Zentralisation herausgebildet, und zwar in dem Sinne, daß die ZVfD. eine Organisation geworden ist, die in der Tat sämtliche Fäden zionistischer Betätigung in der Hand hat. Dieses ist die eine Feststellung. Aus ihr ergibt sich, daß wir in einem ganz anderen Maße als früher unsere .Tätigkeit in die ZVfD. verlegen müssen. Die zweite Tatsache ist die, daß wir nicht als „Außenstehende" in die zionistische Organisation zu gehen brauchen, sondern, daß es nur nötig ist, die Bundesbrüder zusammenzufassen, die heute an leitenden Stellen stehen (in Berlin allein über 25 Bbr. Bbr.) und ihre Arbeit in intensiver Weise mit unseren Zielen und unseren Aufgaben verbinden könnten. In früheren Zeiten war gewissermaßen eine Arbeitsteilung .vorhanden. Es gab immer eine Reihe von Bundesbrüdern, die ihr Wirkungsfeld nach außen verlegten, d. h. in die Organisation, und es gab auf der anderen Seite Menschen, die, nicht weil sie zu jener zionistischen Arbeit ungeeigneter gewesen wären, sondern sich zu ebenso wichtigen zionistischen Dingen innerhalb der Verbindungen hingezogen fühlten, ihre Pflicht im KJV. taten. Das wichtigste war: Erfassung und Erziehung neuer Menschen. Dies ist im Rahmen des KJV. weggefallen. Ein Versuch, uns eine adäquate Erziehungsmöglichkeit in einem anderen Kreise zu suchen, konnte nicht zu Erfolgen führen. Wir müssen also heute als die Hüter einer alten zionistischen Gesinnung, als die Erben des deutschen Zionismus in der ZVfD. jene Dinge anrühren, die dort zum Schlechten bestellt sind. Kein Zweifel besteht, daß die ZVfD. ein Organismus ungeheuren Umfanges geworden ist, ein Organismus, der unzählige Glieder umfaßt und von einem tüchtigen Verwaltungsapparat gesteuert wird. Aber es läßt sich nicht leugnen, daß dieser Organismus im Grunde genommen mehr instinktiv lebt. Wird dieser Organismüs politischen oder allgemein jüdischen Situationen gegenübergestellt, die eine Antwort erfordern, so werden die Entscheidungen, die getroffen und die Aktionen, die durchgeführt werden müssen, nur unter taktischen Gesichtspunkten und rein reflektorisch vorgenommen. Man spürt kein System, man spürt zuweilen eine reine Zufälligkeit der Entscheidungen. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß Entscheidungen zu Aktionen in reichem Maße getroffen worden sind und daß die ZVfD. auf eine rege ..Tätigkeit stolz sein kann. Aber was uns mißfällt, ist der Mangel an gedanklicher Vorbereitung und Ausreifung, wofür es in der ZVfD. heute weder Zeit, Menschen noch Gremien gibt. Im engen Zusammenhang damit steht auch die Schaffung einer zionistischen öffentlichen Meinung, denn diese ist der Ausdruck einer gesunden Auseinandersetzung der Menschen, die etwas zu sagen haben. Unsere führenden Gremien hätten mit dieser öffentlichen Meinung zu rechnen und müßten sogar ihr dafür dankbar sein, denn es wird ihnen auf diese Weise eine gewisse Verantwortung abgenommen und die Zufälligkeit der Entscheidungen genommen. Nicht immer geschieht der Ausschluß der öffentlichen Meinung mit der Ver- 102

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.