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Der jüdische Wille · 1935-06-01 · Heft 4 (Juni 1935) · page 10

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 4 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ten und in der anderen ihr zur Verfügung stehenden Zeit ebenso wie die Jugend-Alijah sich der geistigen Weiterbildung widmen. Schon im ersten Jahr dieses Versuches werden mindestens 500 Jugendliche von dieser Art der Ausbildung erfaßt werden, die auch wegen der Erziehung zur Gemeinschaft als vorteilhafteste in Deutschland stattfindende Ausbildung angesehen werden muß. c) 1500—2000 jüdische Schulentlassene werdenl wohl auch in diesem Jahre weder von den BerufsberatungsTs teilen der Gemeinden noch von den zionistischen Institutionen erfaßt werden. Sie gehören zu den Kreisen deutsch-jüdischer Elternhäuser, die für ihre Kinder durch ihre soziale Stellung oder durch besondere persönliche Beziehungen glauben, einen Lebensweg schaffen zu kön* nen. Ihre Zahl wird immer kleiner, je mehr das Wirtschaftsleben der Juden in Deutschland zerrüttet sein wird, Ihnen gelten auch heute die Bemühungen unserer Werbearbeit. Gewisse Mißstände in der Berufsberatungsarbeit der Gemeinden erfordern heute noch unser Augenmerk. Da® Ue-berangebot kaufmännischer Lehrstellen veranlaßt heute noch manche Berufsberater die ihnen anvertrauten Jugendlichen in kaufmännische Lehrstellen zu schicken, weil sie damit der Sorge um die Suche einer handwerklichen oder gärtnerischen Lehrstelle enthoben sind. Zu wenig wird an das gedacht, was nach der kaufmännischen Lehre werden soll. Für die Leistungen einer Berufsberatungsstelle sind die Zahlen der angewiesenen Stellen produktiver Berufserlernung und nicht die, Zahl der überhaupt untergebrachten Jugendlichen maßgebend. Die Umschichtler. Die ©haluzischen Verbände umfassen etwa, 18 000 Menschen (15 000 der deutsche Landesverband des Hechaliuz, 3000 der Brith Chaluzim Datiim). Die Hachscharah hat heute einen Umfang von 4000 Menlschen und wird in den nächsten Jahren diesen Umfang höchstens aus finanziellen Gründen einschränken müssen. Zweidrittel der Hachscharahplätze befinden sich im Inland, Eindrittel im Ausland, besonders in Dänemark, Holland, Jugoslawien und der Tschechoslowakei Das große Hachscharahwerk, das der Hechaluz in den letzten beiden Jahren aufgebaut hat, ist wohl für alle Länder heute ein Vorbild. Die Hachscharah kann wegen der geringen zeitlichen Ausdehnung keine Fachleute erziehen, Ihre Aufgabe ist die Gewöhnung an schwere körperliche Arbeit, der Erwerb der Grundkenntnisse der hebräischen Sprache und im allgemeinen auch die Gewöhnung an das Leben in einer Gemeinschaft. Durch die für Deutschland ungenügende Zertifikationsrate wird wohl eine Verlängerung der Hachscharah auf 1%—2 Jahre eintreten' müssen. Die Finanzierung dieser Berufsausbildung erfüllt alle jüdischen Instanzen mit schwerer Sorge. Der innere Charakter der Hachscharah ist teilweise bestimmt durch die Zermürbung der Menschen im Wirtschaftskampf der letzten Jahre. Sie muß den Umschichtlern das Gefühl der Degradierung nehmen, um sie in das innere Gleichgewicht zu bringen, dessen sie in den letzten Jahren beraubt wurden. Die Blickrichtung auf Palästina bedingt eine völlige Umstellung der bisherigen Wertungen. Auch heute noch bedeutet die Hachscharah einen tiefen Lebenseinschnitt, der sich mit inneren Schwierigkeiten beim Einzelnen vollzieht. Der natürliche Mangel an erzieherischen Kräften, an dem das ganze deutsche Judentum leidet, macht sich bei dieser Arbeit besonders bemerkbar. 98

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