Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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sich um die Fülle der wirtschaftlichen Bindungen des deutschen Judentums in Deutschland gebildet hat, die Ideologie der Verwurzelung, die den Blick in die nahe Vergangenheit richtet und dabei die große Geschichte ebenso verkennt, wie sie sich den Zukunftsperspektiven verschließt, kann nicht Anspruch darauf erheben, der sozial durchschnittlich geschichteten Bevölkerung des deutschen Judentums eine Antwort auf ihre Fragen zu geben, Sechstausend Schulentlassene! Welche Vorstellungen haben wir Zionisten von ihrer Zukunft? ia) Die beste Lösung, die uns die beiden letzten Jahre gebracht haben, ist die der J ti g e n d - Ali j ah. Im Jahre 1935 sollen 1000 Jugendliche durch die Jugend-Alijah nach Palästina kommen. Der organisatorische und pädagogische Träger der Jugend-Alijah ist die Jüdische Jugendhilfe, die im Jahre 1933 nach Anregungen von Arlosoroff von Recha Freier gelgründet worden ist. Die Sammeltätigkeit für das Werk der Jugend-Alijah wird von der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah ausgeführt, zu der neben der Jüdischen J u g e n d h i, 1 f e noch das Kinderdorf Ben Schemen .und das Kinderheim Ahawah gehören. Die Vorteile der Jugend-Alijah sind mannigfacher Natur: Neben der politischen Bedeutung der Einwanderung einer großer Anzahl Jugendlicher (die englische Regierung gewährt Jugend-Zertifikate bis jetzt nur an Jugendliche, die aus Deutschland stammen) sind die pädagogischen Vorteile der Jugend- Alijah besonders wichtig, Sie ist eine glückliche Vereinigung zwischen Berufsausbildung und Bildungsarbeit. Die Berufsausbildung, die in den für Palästina brauchbaren Berufen in den landwirtschaftlichen Siedlungen des Landes erfolgt, nimmt nicht den ganzen! Tag in Anspruch, Drei Stunden des Tages sind dem Unterricht in Natur- und kulturwissenschaftldchen Fächern gewidmet, und besonders der Erlernung der hebräischen) Sprache. Als einzige Form deutscher Alijah kann die Jugend-Alijah behaupten, daß ihre Angehörigen nach einem dreivierteljährigen Aufenthalt im Lande wirklich hebraisiert sind. Das einheitliche Milieu von Berufsausbildung, geistiger Fortbildung und Lebensgemeinschaft wirkt in seiner klaren Richtung gerade auf die deutschen! Kinder, deren geistige und körperliche Spannkraft durch die Erlebnisse der letzten Jahre stark gemindert sind, ausgleichend und fördernd. b) Neben der Einzelausbildung für Palästina in manuellen Berufen, durch die etwa 2000 Jugendliche erfaßt werden (dabei ist die hauswirtschaftliche Ausbildung der Mädchen eingerechnet), ist auf die in diesem Jahre neu entstandene Organisation für Erstausbildung im Rahmen des Hechaluz (sogenannten Mittleren-Hachscharah) hinzuweisen. Ihr liegt folgender Gedanke zugrunde: Es war bisher Brauch, den schulentlassenen Jugendlichen ein Handwerk und den Umschichtler die Landwirtschaft erlernen zu lassen. Dadurch wird binnen kurzer Zeit ein auch für Palästina unerträgliches Ueberangebot an handwerklichen Kräften entstehen, während1 es an wirklich gut ausgebildeten Landwirten fehlen wird. Denn es ist klar, daß in der einjährigen Umschichtungszeit eine wirkliche Berufsausbildung nicht erreicht werden kann. Da die landwirtschaftliche Ausbildung durchschnittlich an den schulentlassenen Jugendlichen allzu große körperliche Ansprüche stellte und auch nicht im Anschluß an das Elternhaus erfolgen konnte, erlernt nur ein verschwindend geringer Prozentsatz unserer Schulentlassenen das für Palästina lebenswichtige Fach. Der Hechaluz hat es dieses Jahr unternommen, Gruppen Jugendlicher zusammenzustellen, die ungefähr 6 Stunden täglich in der Landwirtschaft arbei- 97