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Der jüdische Wille · 1935-06-01 · Heft 4 (Juni 1935) · page 6

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 4 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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dieden „Umschlag" in ein neues Wie, in eine andere Qualität gestatten und fordern. Der Jischuw stellt, nach zwei Jahren der Alijah aus Deutschland, nach der Aufnahme auch immer stärkerer Massen aus den ost- und südosteuropäischen Staaten, mit seinen bald vierhunderttausend Menschen eine Gemeinschaft dar, die gleichsam zur „Verstaatlichung" drängt, heute schon, sicher aber morgen ist er ein Faktor, der, wenn die Exekutive das Gespräch mit dem Mandatar und dem Völkerbund über die staatsrechtliche Zukunft Palästinas beginnenl wird, das beredteste Argument in diesem Gespräch darstellen wird. Daß die Revisionisten die Organisation verlassen haben, wird die Erfolgaussichten einer solchen Politik in Palästina zwar nicht unerheblich erschweren, in London und Genf aber noch erheblich erleichtern. Aufgabe des Kongresses wird es sein, e'ine Exekutive zu bilden, d Fe an die Stelle der seit den Tagen der Balfour-Deklaration bis zum heutigen Tage zweckmäßigen staatsrechtlichen und völkerrechtlichen Gestalt des jüdischen Palästina eine höhere, staatsähnlichere setzt — wenn nicht gar die staatliche selbst. Ein Begriff, wie der der „öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte", des „National-Home" vermag sich, je nach der Reife unseres Aufbauwerkes* mit immer neuen Gehalt zu füllen; ihn immer gehaltvoller zu machen, in, der tatsächlichen Entwicklung Erez Israels in jedem neuen Stadium zionistischer Verwirklichung anzupassen: das eben ist die Grundaufgabe zionistischer Politik. IV. Das Palästinawerk rückt in die staatspolitische Etappe sein er Entwicklung. Nie hielten wir — und auch darin unterschieden wir uns, beiläufig bemerkt, von der revisionistischen Doktrin — nie hielten wir die Aufgabe zionistischer Kolonisation für erschöpft, wenn wir, nur um „die berühmten 51 Prozent" ins Land zu bringen, Menschenmassen nach Palästina expedierten, ohne uns um ihre organische Einfügung in den Jischuw zu bemühen. Aber freilich: in einer Zeit, wo die Zertifikatspolitik der Palästinaregierung, und übrigens auch manche in der Situation des Dispora- Judentums liegende Ursache, der Einwanderung so enge Grenzen setzte, wie es bis zum Jahre 1933 der Fall war — in jener Zeit dürfte' die Sorge um Wege und Methoden der „organischen Einfügung" der Immigrierten mit Fug und Recht vor der Sorge um die zahlenmäßige Erweiterung der Alijah zurücktreten. Auch wer wußte, daß es mit der Zahl der Einwanderung noch lange nicht getan sei, mußte sich vor allem um die Erhöhung dieser Zahl mühen« solange sie das Niveau der Fünfstelligkeit im Jahre noch nicht erreicht hatte..... Anders heute. Wir stehen mitten in der fünften Alijah; wir wissen nicht, ob Palästina in diesem Jahre fünfzigtausend, sechzigtausend oder siebzigtausend Olim, ob es im nächsten Jahre vielleicht gar hunderttausend Olim aufnehmen wird. Umso dringlicher ist — jeder weiß es — die Aufgabe, diese Massen in das Ganze unseres Aufbauwerkes so einzufügen, daß sie es nicht zerstören, sondern stärken. Bedarf es in diesen Blättern der Hinweise auf jene unheilige Dreieinigkeit des politischen Radikalismus, der sozialen Reaktion und des wirtschaftlichen Spekulantentums, die den Sinn unseres Werkes bedroht? Bedarf es des Hinweises auf den erschreckenden Verfall der öffentlich-zionistischen Moral, der sich nicht erst seit heute in Palästina bemerkbar macht? 94

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