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Der jüdische Wille · 1935-06-01 · Heft 4 (Juni 1935) · page 5

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 4 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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die Synthese dür ch zuführ, e n, um die es ihm ging. Gewiß, die praktische Arbeit, die des Palästinaaufbaues, fand nicht mindere Beachtung als die politische Tätigkeit der Vertretung zionistischer Interessen gegenüber der Mandatarmacht und dem Völkerbund. Allein dieses Nebeneinander — so wichtig es war, und so gewiß es in den Jahren 1920 bis 1930 die bestmögliche Methode zionistischer Führung darstellte — war, ebensowenig wie sonst irgendein Nebe n einander, eine Synthese, deren Wesen vielmehr das 1n einander ist, die volle Verschmelzung verschiedener Faktoren oder Arbeitswege. Als geglückt hätte die Synthese etwa bezeichnet werden können, wenn man, in London, politisches Terrain sichtbar in demselben Tempo gewonnen hätte, in dem man in Palästina wirtschaftlich und gesellschaftlich Fuß faßte bzw. wenn man, in Palästina, zugleich mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Positionen, die zionistische Arbeit erschloß, Vorformen jüdisch-staatsrechtlicher Autonomie weit über die Institutionen der nie ganz geglücktem Knesseth Israel und des immer rechtlich gefährdeten Waad Leumi hinaus geschaffen hätte. Daß der eine Teil der Weizmannschen Arbeit, der politische, verhältnismäßig berührungslos neben ihrem praktischen Teil einherging, hatte seinen Grund wohl auch, aber nicht allein darin, daß die revisionistische Opposition in London die Bemühungen beim Mandatar und in Palästina die Entwicklung jüdisch-staatsähnlicher „Vorformen" häufig durchkreuzte. Aber unabhängig davon hat man zu bedenken, daß vor 5 oder gar 10 Jahren die Zeit dafür, aus dem Nebeneinander der beiden Elemente zionitischer Arbeit ein Ineinander, eine wahre Synthese zu machen, noch nicht reif war. Quantität schlägt, nach dem bekannten Worte Hegels, auf einer gewissen Stufe, aber eben erst auf einer gewissen Stufe, in Qualität um. Ein Jischuw von den Größenverhältnissen, in denen er sich bis zum Jahre 1933 bewegte, wäre letzthin auch bei äußerster Disziplinierung aller zionistischen Gruppen und Kräfte schwerlich in der Lage gewesen, sozusagen die Vorform einer Staatsgemeinschaft zu repräsentieren. Und solange sich der Palästinaaufbau in den vergleichsweise eng geschränkten Dimensionen vollzog, die er erst seit zwei Jahren verlassen hat, wäre die Exekutive in London selbst bei äußerster Disziplinierung aller zionistischen Gruppen und Kräfte schwerlich in der Lage gewesen, die Tatsache der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Positionen im Lande so, wie es nach unserer Darstellung den Intentionen des „Weizmannismus" entspricht, als Politikum in der Auseinandersetzung mit dem Mandatar auszuwerten. Noch war, mit anderen Worten, die Zeit nicht gekommen, „synthetischen Zionismus" im eigentlichen Sinne dieses Wortes auf der höheren, politischen Ebene so wiedererstehen zu lassen, wie er vor dem Kriege auf der niederen ideologisch-rhetorisc,hen Ebene entstanden war. III. Der diesjährige Kongreß sei als „Kongreß der Synthese" deshalb bezeichnet, weil es seine Aufgabe sein wird, der auf ihm zu wählenden Exe* kutive die Möglichkeit und den Auftrag zu geben, das im „Weizmannismus" der letzten anderthalb Jahrzehnte entwickelte Nebeneinander zum Ineinander fortzuführen. Heute besteht die Chance, und damit die Pflicht, die praktische Arbeit des Palästinaaufbaus mit dem politischen Bemühen um die Verwirklichung des Baseler Programms, die Arbeit also in Jerusalem und die in London (bzw. in Genf) organisch zu verschmelzen; heute, da, mit dem vorhin zitierten Worte, die Quantität unseres Werkes Dimensionen erreicht hat, 93

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