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Der jüdische Wille · 1935-06-01 · Heft 4 (Juni 1935) · page 4

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 4 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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um dieselbe Synthese, Ja, „Weizmannismus" war und ist nichts als der Versuch, dem zuerst im Baseler Programm definierten, und dann im Palästina- Mandat staatsrechtlich und völkerrechtlich konkretisierten politischen Ziel durch praktische Arbeit näher zu kommen. Wenn die revisionistischen Gegner Weizmanns ihm gelegentlich entgegenhielten, mit seiner Methode, vor allen faktische Stützpunkte im Lande zu schaffen, begebe er sich auf die Ebene des längst überholten chowewe-zionistischen' „praktischen! Zionismus", so übersahen sie oder wollten sie übersehen, daß Weizmann, immerhin einer der Väter der Balfour-Deklaration und des Mandats-Paktes 9 jene Positionen in Palästina nicht um ihrer selbst willen, blind der „organischen Entwicklung" künftiger Jahrzehnte vertrauend, schuf, sondern: weil ihm ein gesellschaftlich und wirtschaftlich erstarktes Erez Israel für den Tag der letzten politischen Entscheidung, für den Augenblick, da die Entwicklung reif genug sein werde, über das mit der Balfour-Deklaration erreichte Niveau hinauszugreifen, als schlagkräftigstes Argumelnt erschien. Weizmann wollte und will den starkem und großen Jischuw, rund heraus, gesagt, für die Stunde der Staatswerdung. Jene aber, die ihre Energien auf vorzeitige Deklarationen über die Nowendigkeit eines Judenstaates konzentrierten, statt darauf, die einzig einleuchtenden Grundlagen für ihn zu schaffen — hatten und haben sie ein Recht, dem innerzionistischen Gegner „Verkleinerung des Endziels" und Lilienblum'sche Atavismen vorzuwerfen, sich selbst aber als die Gralshüter des politischen Zionismus zu bezeichnen? Wer war — wenn die an sich verjährte Gegenüberstellung des „politischen" und des „praktischen Zionismus" nun einmal heraufbeschworen sei — der konsequentere! „politische Zionist": Weizmann oder Jabotinsky, der, indem er im Jahre 1931 jene unselige Debatte über das „Endziel" auf dem 17. Kongreß erzwang, und indem - er die Mandatskommission des Völkerbundes vor wenigen Monaten erst provozierte, alles getan hat, um die Heranführung des Zionismus an das Ziel des Baseler Programms zu erschweren. . . . Hier wird, von Minderinformierten oder solchen, die sich, mit dem wahren „Weizmannismus" konfrontiert, minder informiert stellen, als sie sind, möglicherweise darauf hingewiesen werden, daß der Zionismus, soweit er nicht auf der Grundlage revisionistischer Prinzipien ruhe, allzu häufig von der Forderung des „Judenstaates" abgerückt sei, als daß dieses Ziel heute von Weizmann, seinen Freunden und den ihm nahestehenden bzw. ihm nicht verfeindeten Gruppen ehrlicherweise' als ihr Ziel ausgegeben werden könnte. Aber, wer Weizmann, den linken Flügel der Mitte — von ihrem rechten Flügel und vom Misrachi ganz zu schweigen —, wer die Arbeiterschaft mit dem Grüppchen des Brith Schalom verwechselt und nur sich selbst als „Staatszionisten" dm eigentlichen, mehr-als-parteipolitischen Sinne dieses Wortes betrachtet, gibt sich einem schwer entschuldbaren Irrtum hin. Es bedürfte nicht erst der Rede, die Ben Gurion auf der letzten Arbeitstagung der Z.V.f.D. in Berlin jüngst gehalten hat, um zu zeigen, daß es auch außerhalb des Revisionismus zionistische Führer gibt, die an ein „größeres Palästina" glauben. n. Wendet man den Blick der zionistischen Arbeit zu, wie sie mehr als ein Jahrzehnt hindurch unter der verantwortlichen Führung Weizmanns in London und Jerusalem nach dem Kriege geleistet wurde, so wirdi man freilich feststellen, daß es dem System des „Weizmannismusl,, — in der Deutung* die wir ihm soeben gaben — in jener Aera nicht voll gelungen ist* 92

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