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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Editorial · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Editorial
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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die wir für die sportliche und die zionistische Arbeit zur Verfügung hatten. Und diese Kräfte waren nicht eben sehr zahlreich. Die jahrelange Arbeit für den Klub hatte viele ermüdet, es kamen Berufssorgen hinzu, das sogenannte bürgerliche Leben absorbierte die Älteren mehr und mehr. So dauerte es lange und kostete saure Arbeit, bis wir wieder eine Aktivitas hatten, die zahlenmäßig die der Vorkriegs-Ivria annähernd erreichte. Es kamen Jahre, in denen die Arbeit mehr dem Erhalten des Bestehenden galt als einer zunehmenden Entwicklung. Auch die Situation des Zionismus bzw. der zionistischen Organisation, die in diesen Jahren stagnierte, wirkte in diesem Sinne hemmend auf uns und unsere Erfolgsmöglichkeiten. Gewiß, unsere. Aktivitas war 25 bis 30 Mitglieder stark. Die Ivria beteiligte sich an der Arbeit für den Keren-Kajemeth, ihre Mitglieder gehörten der zionistischen Organisation an, ihre zionistische Durchbildung war gegenüber den anderen Vereinen des Maccabi gründlicher und vielseitiger, aber damit waren wir noch nicht zufrieden. Der Ansatz der Entwicklung war da, der Kreis der Mitglieder nicht groß, aber geschlossen in menschlicher und persönlicher Harmonie. Die Maccabiah von 1931 besuchten vier Ivrianer. Sportlich hatten wir damals dort nichts zu tun, denn gerudert wurde noch nicht. Aber sie brachte uns einen neuen und starken Impuls. So kam das Jahr 1933. Das brachte grundlegende Änderungen. Zwölf unserer Aktivsten gingen innerhalb kurzer Zeit nach Palästina. So sehr wir uns hierüber freuten, dem Klub fehlten sie sehr. Da wir im Sommer 1933 fast keinen Nachwuchs hatten, schloß das Jahr mit nicht sehr erfreulichen Aussichten. Daß das Jahr 1934 dann eine ganz andere — gute — Entwicklung brachte, gehört nicht mehr hierher. Die letzte Entwicklung VonMartinHennig, Berlin Das Jahr 1933 schien den Zusammenbruch beider Vereine, des Ruder-V. J. St. und der Ivria, in unmittelbare Nähe gerückt zu haben. Zu Anfang der Sommersaison 1933 sahen die Vereine* von der Aufnahme des Ruderbetriebes zunächst vollständig ab. Weder der Ruder-V. J. St. noch die Ivria wollten gemeinschaftliche Osterfahrten ansetzen. Erst im Mai wurde mit einem geregelten Ruderbetrieb begonnen. Doch ging auch zu Pfingsten nur der Ruder-V. J. St. mit vier Booten auf Fahrt zum Scharmützelsee — es war die letzte der traditionellen Pfingstfahrten —, während die Ivria keinen Vierer auf eine mehrtägige Pfingstfahrt schickte. Die Zahl der aktiven Mitglieder beider Vereine wie auch der Alten Herren verringerte sich von Woche zu Woche. Ein Teil ging nach Erez-Israel, ein Teil auf Hachscharah, einige siedelten ins Ausland über. Die noch zurückblieben, bereiteten mehr oder weniger ihren Fortgang vor, hielten zionistische Arbeit im Sinne unserer Tradition für überholt und hatten wenig Interesse, sich für Erhaltung und Entwicklung eines zionistischen Rudervereins in Berlin einzusetzen. Der Ruder-V. J. St. hatte die Werbung unter der studentischen Jugend der Berliner Universität und Technischen Hochschule als sein eigentliches Tätigkeitsfeld betrachtet. Insofern war seine Arbeit infolge des vollständigen Ausfalls an jüdischem Akademikernachwuchs gegenstandslos geworden. Aber auch für die Ivria sahen viele bei der zu erwartenden Umschichtung und zukünftigen Schichtung der jüdischen Jugend keine Lebensmöglichkeit und wohl auch keine Lebensnotwendigkeit. Nur einige wenige Unentwegte blieben dabei, daß die Ivria als einziger zionistischer Ruderverein nach wie vor ihre Aufgabe zu erfüllen habe, 29

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