Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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einheitlicher Typ des Ruder-V. J. St.ers mit seinen Vorteilen und seinen Nachteifen heraus. Nach außen hin gewann die Verbindung dadurch das Bild einer gewissen Geschlossenheit, die sie in vorteilhaftem Gegensatz zu den anderen Verbindungen des Kartells erscheinen ließ. Das Kartell sprach daher von der „splendid isolation" des Ruder-V. J. St. Diese Bezeichnung traf in jener Zeit aber nur bedingt zu; nämlich nur, soweit es sich um organisatorische Fragen oder um Dinge von geringerer Bedeutung handelte. In den großen Fragen war der Ruder-V. J. St. vom gesamten Kartell und der Arbeit des. Präsidiums ebenso abhängig wie die übrigen Verbindungen. Dies zeigt sich besonders in den Jahren 1926 bis 1927, als es galt, eine Verbindung von der Tradition der Maccabäa vor dem vollständigen Zusammenbruch zu bewahren. Damals war auch der Ruder-V. J. St. trotz seines guten Rufs im Kartell nicht imstande, Bbr. Bbr. abzugeben, die die Maccabäa hätten lebensfähig machen können. Die Auswirkungen der oben gekennzeichneten Lage im Ruder-V. J. St. führten dazu, daß es einige Semester nicht möglich war, eine Charge aus aktiven Burschen zusammenzustellen. Vielmehr waren z. B. sämtliche Erstchargierten des Jahres 1927 — mit einer Ausnahme — Füxe, die vor Übernahme der Charge geburscht werden mußten. Im folgenden Jahre besserte sich der Zustand der Verbindung zusehends. Die Keilarbeit wurde energischer und mit Erfolg betrieben, die Verbindung verjüngt und damit aktiviert. Es wurden mehrere gut gelungene Veranstaltungen gemacht (Kongreß-Vorbereitung; Achad-Haam-Gedenkfeier). Auch sportlich wurden Erfolge erzielt. Die überalterten Füxe wurden geburscht. Einige jüngere A. H. A. H. begannen sich wieder um das Leben in der Verbindung zu kümmern. Aus dem Gegensatz der Generationen ergaben sich zwar oft Differenzen, diese trugen aber im Ergebnis zur Verstärkung des aktiven Lebens in der Verbindung bei. Von zionistischer Arbeit war in jenfer Zeit im Ruder-V. J. St. wenig zu merken. Die Forderung der Chaluziuth, ein wichtiger Programmpunkt des Kartells und damit des Ruder-V. J. St., wurde vollständig in den Hintergrund gedrängt. Man war der Meinung, daß sie gegenstandslos geworden sei, wollte aber aus grundsätzlichen Erwägungen nicht offiziell von ihr abgehen. Auch die Arbeit in der Z.V.f.D. wurde nur noch als erste Forderung proklamiert. Man tat recht wenig. Das „Dienstjahr", das nach einem früheren Beschluß der Verbindung jeder Fux in der Meinekestraße absolvieren mußte, wurde nicht mehr durchgeführt. Man wandte sich lieber den anderen Forderungen zu, die inzwischen vom Kartell aufgestellt worden waren, wie der Frage der Betätigung in der Gemeindepolitik, der Hochschularbeit und Auseinandersetzung mit der Umwelt. Während der Ruder-V. J. St. sich mit den Fragen der Gemeindepolitik und der Hochschularbeit weniger beschäftigte, war er in der Auseinandersetzung mit der Umwelt sehr rege und eine Zeitlang führend. Die Auseinandersetzungen wurden in der Form von Ausspracheabenden mit Vertretern des K. C. und anderer jüdischer Gruppen geführt. Auch mit der nichtjüdischen Umwelt wurde debattiert. Den Höhepunkt erreichte diese Art der Veranstaltung in einer Diskussion mit den sozialistischen Studentengruppen. Wenn es auch von vornherein ausgeschlossen schien, jüdische Akademiker dieser Einstellung von unseren Gedankengängen zu überzeugen, so stellten diese Debatten im Ergebnis doch einen zionistischen Gewinn für die Verbindung dar, indem sie der Vertiefung der zionistischen Ideologie in den eigenen Reihen dienten. In jene Zeit der „Äußerlichkeit" fiel auch der vom Ruder-V. J. St. gemachte Versuch, die im Kartell übliche Tendenz-Fuxenstunde umzugestalten „durch 24