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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Editorial · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Editorial
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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andersetzung in unseren Kreisen befähigt uns, konkrete politische Entscheidungen zu treffen, unseren Nationalismus wesenhafter zu machen durch Eingliederung in den historischen Konnex unseres Volkes. Der jüdische Mensch des Kartells muß geistig intensiviert und zum Staatsbürger erzogen werden/' Also stand es im „Jüdischen Studenten", dem offiziellen Organ des K. J. V., also äußerten sich Bundesbrüder auf den Konventen. Glücklicherweise war die Struktur des Ruder-V. J. St. anders, als daß die Mitglieder in derartigen Sätzen geschwelgt hätten. Zwar hatte auch der Ruder-Verein ernsthaft sich bemüht, die Fusion durchzuführen. Die Bundesbrüder hatten an Blau- Weiß-Wanderungen, insbesondere in der Weihnachtszeit, teilgenommen und auch wie alle anderen K.J.V.er eine Ahnung davon bekommen, daß hinter dieser Jugend zwar weniger politische Erziehung, aber mehr Kraft steckte als in der Gemeinschaft des K. J. V. Aber der Ruder-V. J. St. stand nicht vor der schwierigen, immer neu gestellten Frage, wie er seine Mitglieder erziehen sollte. Die Erziehungsform war gegeben. Neben den hebräischen Kursen, neben den Arbeitsgemeinschaften, die uns mit der jüdischen Geschichte und den Erscheinungsformen der zionistischen Bewegung vertraut machten, füllten Rudern und Sport die Gemeinschaft so gut wie ganz aus. Dieses Rudern gerade war es, was uns Bundesbrüder davor bewahrte, sich in. abstrakten und abstrusen Gedanken wie den oben geschilderten auszutoben. So hatte der Ruder-Verein in der mißlungenen Fusion nicht nur Nackenschläge erhalten, sondern sich mit seinem durch Sport geschulten Sinn für Tachlith auch Positives erobert. Man fing an, wie im Blau- Weiß Landsknechtslieder zu singen, aber man sang auch jiddische und hebräische Lieder. War bis dahin das Rudern fast ausschließlich eine sportliche Veranstaltung gewesen, in der es auf Haltung, , auf Training, auf Erzielung sportlicher Erfolge ankam, hatte man bis dahin als Ruheplätze die bekannten Wasserlokale der Oberspree, in Grünau, in Schmöckwitz und wo immer sonst südöstlich von Berlin aufgesucht, so wurden wir nach der Fusion — man darf es wohl sagen — naturnäher. Die Boote suchten Lagerplätze auf, wo außer Völkerball auch Faust- und Schlagball gespielt wurde. Nimmt man ein Wochenprogramm von damals zur Hand, so staunt man, in welchem Ausmaß die Verbindung ihre Mitglieder beanspruchte. Kaum ein Tag der Woche war frei. Leibfamilien-Abende, hebräische Abende, Geschichtskurse, Sport und Rudern füllten die Woche aus. Vergegenwärtigt man sich, daß fast die Hälfte aller Bundesbrüder, wenn nicht mehr, in jenem Jahr der Millionen und Milliarden 1923 in kaufmännischen Berufen tätig sein mußte oder nebenbei noch verdiente, um ein Studium überhaupt aufrechterhalten zu können, so staunt man, daß ungeachtet des ungeheuren Beschäftigungsgrades jenes Jahres, hervorgerufen durch den Leerlauf der Inflation, die Verbindung Abend für Abend und Sonntag für Sonntag Heimstätte einer großen Aktivitas war, die erhebliche zeitliche Schwierigkeiten überwinden mußte, um die Veranstaltungen überhaupt regelmäßig besuchen zu können. So gedieh der Ruder-Verein trotz der 1923 über dem Kartell lastenden Krise nach der Fusion. Er erschien in Annaberg auf dem Camp und anschließend auf dem Kongreß von 1923 nahezu vollzählig. Was für eine unerhörte materielle Leistung mußte von den wohlhabenden Bundesbrüdern zugunsten der weniger wohlhabenden aufgebracht werden, um diese große gemeinschaftliche Reise überhaupt zu ermöglichen, und wie stark mußte das Gemeinschaftsgefühl dieser Verbindung sein, das solche Leistungen ermöglichte! Zwei Drittel aller Ruder-V. J. St.er durften 22

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