Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Schon im Kriege entstand der Plan, sich ein eigenes Bootshaus auf eigenem Grund und Boden zu schaffen. So wurde die „Jüdisches Bootshaus" eingetragene Genossenschaft m. b. H. am 28. Oktober 1919 gegründet. Genossen waren Mitglieder des R.V.J.St. und der Ivria, zum großen Teil auch deren Väter und Angehörige. Bereits am 30. Januar 1920 hatte die Genossenschaft der Baufirma Adolf Sommerfeld einen festen Bauauftrag erteilt, auf einem in Erbpacht genommenen Grundstück in Wendenschloß gegenüber Grünau ein großartiges Bootshaus mit Sportplatz zu errichten. Es kam die Inflation, und die Baufirma weigerte sich, den Bauauftrag auszuführen. Die Folge davon waren jahrelange Prozesse, die durch alle Instanzen gingen und die erst im Dezember 1927 durch einen für die Genossenschaft günstigen gerichtlichen Vergleich erledigt wurden. In der Zwischenzeit war die Bootshausgenossenschaft nicht untätig geblieben. Im September 1920 hatte sie ein geeignetes Grundstück an der Spree in Friedrichshagen erworben. Man hatte also ein Grundstück, aber hoch kein Bootshaus. Geld war und ist wohl auch noch heute für die Bootshausgenossenschaft ein sehr rarer Artikel. Man beschloß zwar in einer Generalversammlung vom März 1921, ein präzises Projekt für ein Bootshaus einzufordern. Alle eingeforderten Vorschläge waren jedoch aus finanziellen Gründen undurchführbar. Da tauchte 1921 ein ganz neuer Plan auf. Die Bootshausgenossenschaft erwarb eine riesige Holzbaracke, die als Filmatelier gedient hatte. Man wollte diese Baracke nach Friedrichshagen transportieren und sie dann dort zu Bootsschuppen und Umkleideräumen umgestalten. Nachdem man das Objekt gekauft hatte, stellte sich heraus, daß die Transportkosten viel zu hoch waren, und man versuchte nun, das Filmatelier wieder zu verkaufen. Der Verkauf gelang aber, wie man heute sagen kann zum Glück, erst im Herbst 1923, also nach dem Ende der Inflation. Auf diese Weise wurde das wenige Geld der Bootshausgenossenschaft wertbeständig angelegt und durch die Inflationszeit gerettet. Der R. V. J. St. und die Ivria hatten also noch immer kein Bootshaus. Der R. V. J. St. mußte inzwischen sein kleines, aber schönes Bootshaus in Oberschöneweide aufgeben. Er übersiedelte in die beschränkten Räumlichkeiten der Ivria nach Niederschöneweide. An Sonntagen, an denen nur eine kleine Fahrt unternommen wurde, fuhr man nach dem kahlen Grundstück in Friedrichshagen. Dort erzählten dann die Älteren den Jüngeren von dem Bootshaus, das gebaut werden sollte, aber keiner glaubte mehr recht daran. Auch innerhalb der Bootshausgenossenschaft zweifelte man schon an der Erreichbarkeit des gesetzten Zieles. Auf einer Generalversammlung wurde der Antrag gestellt, die Genossenschaft zu liquidieren. Es siegten jedoch die Unentwegten, und der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Endlich im Juli 1924 wurde ein Entwurf von Korn und Siegfried Weitzmann zur Ausführung angenommen und der Bauauftrag erteilt. Die Finanzierung gestaltete sich recht schwierig. Eine Summe von rund 50000,— R.-M. war aufzubringen. Die Anzahlung wurde aus den angesammelten Spendenbeträgen des Bootshausfonds und mit dem Gelde, das die Bootshausgenossenschaft aus der ersten Teilklage gegen Sommerfeld erhielt, geleistet. Der Restbetrag wurde zu einem Teil aus Darlehen gedeckt, die die Bootshausgenossenschaft aufnahm und nach etwa zwei Jahren aus der Abschlußzahlung der Firma Sommerfeld zurückzahlte. Zur Aufbringung des größeren Teiles setzte eine intensive Werbetätigkeit ein. In dem 19