Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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50 bis 60 teilweise sehr wertvollen Jungen. Im Gegensatz zum Blau-Weiß, der damals in seiner höchsten Blüte stand, wurde der Versuch gemacht, das romantische Wanderleben mit einem strammen Sportbetrieb zu vereinen, und man darf rückschauend aussprechen, daß dieser Versuch gelungen ist. Es waren dieselben Erziehungsprinzipien, auf denen heute der „Makkabi Hazair" beruht. Hebräisch wurde eifrig gelernt, wenn auch mit wenig Erfolg. In einem Bericht vom August 1921 konnte Simon die Hoffnung aussprechen, daß der Jung-Ivria gelingen würde, was seit der Gründung des Blau-Weiß stets versucht und nie geglückt sei: die Erziehung durch die Jugendbewegung zum K. J. V. Daß es nicht dazu gekommen ist, ist bekannt. Der Kartelltag vom Dezember 1922 beschließt die Fusion des K. J. V. mit dem Blau-Weiß und damit das Aufgehen der Jung-Ivria in den gemeinsamen Bund. Nach der kurz darauf erfolgten Defusion der beiden Verbände konnte an ein Wiederaufmachen der Jung-Ivria in Konkurrenz mit dem Blau-Weiß nicht mehr gedacht werden. Die Zeit der Expansion ist zu Ende. Sollte sie heute nicht wiedergekommen sein? „Gott segne die alte Mannschaft!" Es ist inzwischen sehr spät geworden, Regenwolken jagen über die heilige Stadt Jerusalem, und die Frau unseres Berichterstatters ruft aus dem Nebenzimmer, bei dem Krach der Schreibmaschine könne kein Mensch schlafen. Diszipliniert, wie er ist — das hat er in der Ivria gelernt — hört unser Freund sofort zu tippen auf, stellt die „Ivria-Blätter" und den „Jüdischen Studenten" wieder in den Bücherschrank, packt die alte Ruderfahne, die er nach Erez Israel mitgenommen hat, ein und verschließt das Kästchen mit den Nadeln und den Regattapreisen im Schreibtisch, wobei ihm einfällt, daß er im Achterrennen vom Rollsitz gerutscht ist und dadurch die Ivria um einen sicheren Sieg gebracht hat. Er kränkt sich noch heute darüber, denn sein alter Freund und Trainer Werner Heß wird ihm diese Schande nie vergessen. Morgen wird er zum Turnen in den Jerusalemer „Makkabi" gehen und dort furchtbar geschliffen werden, viel schlimmer als in seiner Juniorenzeit im Kasten. Der Makkabi hat keine Turnhalle zur Verfügung, denn das gibt es noch nicht in Jerusalem, sondern nur einen ziemlich muffigen gemieteten Keller. Aber das macht nichts. Neben ihm im Glied stehen Juden aus aller Herren Länder: aus Polen und Rußland, aus Palästina und Persien und neuerdings auch viele aus Deutschland. Sie alle bereiten sich auf die zweite Makkabiade vor. Auch unser Freund hofft, wieder mitmachen zu können wie bei der ersten. Damals hatte er die Ehre, das Banner des Jerusalemer Vereins in das von 20 000 jubelnden Menschen umgebene Stadion zu tragen. Als sich die Fahnen senkten und die Hatikwah erklang, da schämte >er sich nicht seiner Rührung, denn ein alter Jugendtraum von ihm war erfüllt: auf freiem Grund mit freiem Volk zu stehen. Großen sportlichen Ehrgeiz hat er nicht mehr, aber zu den Massenfreiübungen wird es auch diesmal, wie vor drei Jahren, reichen. Auch Werner Heß ist wieder da, wie vor fünfzehn Jahren auf dem Bootssteg. Statt „Zehne 'raus!" heißt es nun „Echad, schtajim!", aber der Geist ist derselbe geblieben. Der Bau unseres Bootshauses Von Herbert Glücksmann, Berlin „Der Ruder-VIST steht vor einer entscheidenden Aufgabe. Die Bootshausgenossenschaft hat den Bauauftrag für das ihr gehörige Grundstück Friedrhchshagen der Firma Pander erteilt. Die geforderte Anzahlung ist geleistet." Diese knappen Sätze bilden den Kern eines Rundschreibens vom 8. November 1924, mit dem die damalige Charge alle Aktiven und Alten Herren zur verstärkten Mitarbeit aufruft. 18