Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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durch die „aristokratischen Tendenzen" der Akademiker. Obwohl die älteren Ivrier, und nicht die schlechtesten, sich die Entwicklung des Vereins anders vorgestellt hätten, sei die Jugend auf beiden Seiten für die Verschmelzung. „Die Würfel sind gefallen. Heute gilt es, den Weg zu gehen, der unabänderlich gezeichnet ist." So die Alten. Die Jugend hingegen blickte voll Hoffnung in die gemeinsame Zukunft. Und so heißt es u. a. auf der letzten Seite des letzten Heftes der „Ivria-Blätter", die die Spenden, für den Bootshausfonds bringt: „F. M. Simon freut sich über das erste schöne Resultat der Zusammenarbeit des Ruder-V. J. St. mit der Ivria ... 3 Mark". Dieses schöne Resultat war das von den Junioren der beiden Vereine gewonnene Staffettenrudern des Jugendruderverbandes, bei dem der blaue Davidsstern, dank dem prächtigen und sorgfältigen Training von Werner Heß, den anderen Booten um Längen voraus war. Es würde hier zu weit führen, das ganze Hin und Her, das endlich zum Aufgehen der Ivria in den Rudervist führte, im einzelnen darzustellen. Schon äußere Verhältnisse dringen auf den engsten Zusammenschluß, da der Rudervist sein eigenes Bootshaus aufgibt und zur Ivria übersiedelt. Im Februar 1920 ist es endlich so weit, und ein aus Paul Hirsch, Ernst Gotthelf und Lutz Futter bestehender Vorstand leitet die Geschicke des einheitlichen Vereins. In einem Semesterbericht aus dieser Zeit heißt es, „daß bei den jüngeren Mitgliedern der Ivria die Fusion als gelungen bezeichnet werden kann, während bei den älteren gewisse Schwierigkeiten zu überwinden waren und noch zu überwinden sind". Wie groß diese Schwierigkeiten waren, zeigt eine Bemerkung von Arthur Stein im „Jüdischen Studenten" vom November 1920: „Die Fusion des Ruder-V. J. St. ist nie hl vorwärts gekommen." Mehrere K. J. V.-Verbindungen stellen auf dem Leipziger Kartelltage (Dez. 1920) Mißtrauensanträge gegen das Präsidium und den Rudervist wegen „unerlaubter Fusion", und Walter Katschke muß beruhigend erklären, es handele sich gar nicht um eine solche, sondern nur um eine besonders enge Form der Zusammenarbeit. Diese wird auch vom Kartelltag genehmigt. Mor. Bileski, einer der alten „Großadmirale", der stets für eine starke, einheitliche /Jugendbewegung unter der Führung des K. J. V. und für die Sprengung des akademischen Rahmens eingetreten war, wird Präside des K. J. V. Eine Aufnahme der Ivria in das Kartell erfolgt allerdings nicht; sie existiert vorläufig noch weiter, wenn auch nur als „Firma", während ihre Mitglieder einzeln in den Rudervist reeipiert werden. Paul Hirsch, der fast während des ganzen Jahres 1920 an der Spitze des Vereins steht, kann mit Befriedigung auf die geleistete Arbeit zurückblicken: der Bootspark vermehrt sich, am Sonntag läuft die ganze jüdische Flotte zu Wanderung und Training aus, im Winter treten abwechselnd an Stelle der Ruderfahrten Fußwanderungen und Waldläufe, zum Kastenrudern und Turnen erscheinen auch die ältesten Alten Herren und schwingen ihre Bäuche ums Reck. Die zionistische Ausbildung ist gründlich und wird vor allen Dingen auf den Leibfamilienabenden intensiviert. Diese Institution verdankte ihre Entstehung einein Gedanken Bertram Fishers und bewies sich als ein vorzügliches Mittel, um jeden einzelnen zu erfassen und an Gedankenarbeit und Gedankenaustausch zu gewöhnen. Jeder von uns, der die wunderbaren Abende in dem gastfreien Fisherschen Hause miterlebt hat oder der zum Kreise des Geist und Musik sprühenden Bruno Perl gehörte, wird diese beiden prächtigen Menschen, diese treuesten Freunde, die damals im Mittelpunkt des Jugendlebens standen und die dem Zionismus, uns und sich selbst durch ein furchtbares Schicksal entrissen wurden, nie vergessen. Hebräisch wurde verhältnismäßig eifrig gelernt, auch von unsern jungen Kaufleuten, obwohl sie es infolge der übermäßigen zeitlichen Beanspruchung in der 16