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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Editorial · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Editorial
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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dagegen steht zu lesen: „Am 2. Juni fand das Anrudern statt, an dem sich auch die Aktivitas des Ruder-V.J.St. beteiligte", und unter den Neuaufnahmen: Liemann (Ruder-V. J. St.) als Senior und „in die Jung-Ivria: Simon, Schüler, Jahrgang 1901". Bei Kriegsende kehren die alten Kameraden, soweit sie nicht gefallen sind, zurück, und es erhebt sich die Frage: was soll aus den Vereinen werden? In beiden Klubs kämpfen drei Richtungen um die Entscheidung: die „ganz Alten Herren", welche die liebgewordene Tradition, die sie mitgeschaffen haben, auf keinen Fall aufgeben wollen. Sie machen der Ivria vor dem „Akademikerdünkel'1, dem Rudervist vor der „Sprengung des akademischen Rahmens" gruselig. Einen mittleren Standpunkt nehmen diejenigen ein, die für die Schaffung einer einheitlichen Ruderorganisation eintraten und vor allem der Ivria eine mehr aktivzionistische Einsteilung durch Berührung mit dem K. J. V. geben, die organisatorische Selbständigkeit der beiden Vereine aber nicht aufgeben wollten, da die Ivria unter Kaufleuten, der Rudervist unter Studenten bessere Werbemöglichkeiten hätten. Die Aktivitas dagegen verlangte die völlige Verschmelzung der beiden Vereine aus menschlichen und zionistischen Gründen. „Wa jakom melech chadasch . . . ascher lo jada et Joseph." Die Jugend hält nichts von einer Tradition, die sie nicht kennt, das Blut der auf gemeinsamen Fahrten und Bootshausabenden, in Kursen und beim scharfen Training geschmiedeten Freundschaften ist dicker als das Wasser der Spree, das die beiden Bootshäuser trennt. Man weiß schon gar nicht recht mehr, wer eigentlich Jung-lvrier und wer Fux des Rudervist ist, zumal die zurückgekehrten frischgebackenen Studenten ins K.J.V. eintreten, ohne ihre Mitgliedschaft in der Ivria aufgeben zu wollen. Die tiefsinnigen Diskussionen über die Frage, „ob wir in erster Linie ein Ruderverein oder ein jüdischer Verein seien" oder ob „Kaufleute den geistigen und zeitlichen Anforderungen einer studentischen Organisation nachkommen könnten", werden als „bourgeois" empfunden, Standesunterschiede als unzionistisch abgelehnt. „Die junge Generation des Rudervereins fordert den Zusammenschluß mit der Ivria", schreibt Berthold Cohn im Januar 1919 in einem „Erneuerung des Kartells" überschriebenen Artikel im „Jüdischen Studenten". So schnell ging es allerdings nicht. Die retardierenden Elemente hatten auf beiden Seiten noch die Oberhand. Im Februar 1919 berichten die „Ivria-Blätter" über die Gründung eines „Jüdischen Ruderverbandes" mit Ivria und Rudervist als vorläufigen Mitgliedern. Die Alten Herren beider Vereine sollen zusammengefaßt, die sportliche und theoretische Erziehung der Aktivitas gemeinsam durchgeführt werden, jedoch die Selbständigkeit der Leitungen bestehen bleiben. Gerade die letzte Bestimmung führte zu Unstimmigkeiten unter den Älteren. Die aus dem Felde zurückgekehrte Kriegsgeneration der Ivria übernimmt Anfang 1919 die Führung des Ruder-V. J. St., der im Verlauf der beiden nächsten Semester seinen in jeder Beziehung stärksten Aufschwung erlebt. Er fühlte sich sogar kräftig genug, di;e Ivria in sich aufzusaugen und durch Gründung des Sport-V. J. St. und der Ruderverbindung in Frankfurt und durch führende Mitarbeit in der Jüdischen Turnerschaft für seine Erziehungsziele im K. J. V. et extra muros einzutreten. Dieses Erziehungsziel war auf zionistische Intensivierung eingestellt, während die führenden Männer der Ivria für einen Volksverein auf breiter und flacherer nationaljüdischer Grundlage eintraten. Die letzte Nummer der „Ivria-Blätter", die mir vorliegt, vom Juli 1919 (und, wie ich glaube, die letzte, die überhaupt erschienen ist), enthält auf den ersten Seiten einen Artikel von Erich Marx „Die Zusammenarbeit". „Kein schönes Wort", wie Marx schreibt, „und doch ist es symptomatisch für das Krampfhafte unserer Bestrebungen". Marx beleuchtet noch einmal alle Gründe, die gegen die Fusion sprechen, vor allem die Furcht vor der Majorisierung 15

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