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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Editorial · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Editorial
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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waren in der harten Schule des Sportes erzogen und kannten einen guten sportlichen Betrieb. Die anderen jüngeren Bundesbrüder waren im Felde oder beim Militär .aktiv geworden und kannten noch keine eigentliche Verbindung. Die Älteren waren während des Krieges nur zu kurzem Besuch in Berlin gewesen und kannten nur den akademischen Betrieb vom Juli 1914. Zum Schluß des Krieges bestand der Ruder-V. J. St. aus 14 aktiven Burschen und 33 Alten Herren. Gerade infolge seiner engen Verbindung mit der Ivria empfand der Ruder-V. J. St. als erste K. J. V.-Verbindung in erhöhtem Maße die Probleme des Kartells im eigenen Kreise besonders deutlich. Diese Nachkriegsprobleme hatte Fritz Schwabe richtig vorausgesehen und in den „Ivria-Blättern" behandelt: „Der Zionismus steht und fällt mit der jüdischen Jugend; ohne ihre Energie wird er nicht von der Phrase zur Tat schreiten können. Diese Jugend ist seit Jahren aus ihrem Beruf gerissen. . . . Müde werden die Krieger heimkehren, von einem unendlichen Bedürfnis nach Ruhe und Frieden erfüllt; auf sie wartet der Kampf. Deshalb gilt es, die innere Schwere und Müdigkeit schnell zu überwinden. Diesen Regenerationsprozeß können nur die Jugendbünde leisten und nur, wenn ihre Tradition während des Krieges jungen Scharen vererbt wird. In törichter Exklusivität haben wir es bisher vermieden, uns zu Wortführern der Wünsche und Sorgen der jüdischen Masse zu machen und sie um die nationale Fahne zu sammeln. . . . Die Erkenntnis dieser Dinge zu fördern und ihre Verwirklichung vorzubereiten, ist die Aufgabe des Tages. Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus. Und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen." Der geistige Kampf um Inhalt und Form unseres Zusammenlebens begann im Ruder-V. J. St. wie im ganzen Kartell. Es galt, die Bundesbrüder für den Aufbau Palästinas zu gewinnen, ihnen hebräisch näher zu bringen, sie nach der Militärzeit ins zivile Leben zurückzuführen. Im Februar 1919 hatte Arthur Stein Thesen für die neue Kartellarbeit aufgestellt, die auch der Ruder-V. J. St. sich zu eigen machte. Sie brachten Richtlinien für die Galuth- und Palästina-Arbeit, Richtlinien für den Kampf gegen die Assimilation und für den Kampf um die jüdische Gemeinde, Richtlinien für den hebräischen Unterricht und regelmäßige Fuxen- und Burschenkurse. Sie versuchten, den Sportgedanken im Kartell populär zu machen, den Korporationsformen neuen Inhalt zu geben, sie regelten die Aufnahme von Nichtakademikern in Ausnahmefällen. Es war in Wirklichkeit der Kampf um eine neue Lebensgestaltung. Das Fechten im K. J. V. wurde abgeschafft und die Satisfaktion verboten in klarer Erkenntnis, daß damit nicht geringere, sondern höhere Anforderungen an die einzelnen gestellt wurden. Die gewonnene freie Zeit wurde benutzt, um stattdessen Hebräisch zu lernen. Alle Füxe und jungen Burschen nahmen daran teil. Der Unterschied zwischen Fux und Bursch wurde „verwischt". In Wirklichkeit wußten wir: um was wir rangen, ging alle gleich an, „Füxe, Burschen und Alte Herren". Aber wir lachten über die entsetzten Gesichter der Bundesbrüder, die über die „Sprengung des akademischen Rahmens", über das Fehlen der „alten Tradition" und über „Verbindungs-Disziplin" debattierten. Das Leben und unsere Gemeinschaft aus den schweren Kriegstagen war stärker. Von selbst hatte sich bei uns all das ergeben, was bei den anderen Verbindungen ein Problem war. Das große Problem „sollen wir noch Kneipen machen?" wurde auf unsere Art behandelt: durch eine Kartelltagskneipe mit Lutz Hirschbruch und Weitzmann, 12

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