Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Editorial · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Editorial
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2827066-3186711-3186714--0901-3187053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mit einem Schlage stand die Jung-Ivria im Mittelpunkt der Berliner jüdischen Sportbewegung. Ende 1916 waren trotz der inzwischen auch bei den Jungmitgliedern weitergegangenen Einziehungen 20 „Zöglinge" vorhanden. Ein neues Boot, das uns von unserem gefallenen Klubkameraden Carl Henschel als Vermächtnis hinterlassen war, wurde angeschafft. Auf Anregung Exiners wurde eine Turnabteilung für Schüler gegründet, die den Nachwuchs der Jugendabteilung sicherstellen sollte. Auch diese hatte nach kurzer Zeit bereits 14 Mitglieder. Die Leitung dieser Turnabteilung hatte Rudolf Schönheimer übernommen, wie überhaupt inzwischen die Verwaltung der rein technischen Dinge schon lange in die Hände der älteren Jungmitglieder übergegangen war, immer allerdings beaufsichtigt und geleitet von alten Ivriern, die wie durch ein Wunder immer wieder zur Stelle waren, wenn es notwendig war. Regelmäßig besuchten die Urlauber aus dem Felde die Ivria und stellten beträchtliche Zeit ihres kurzen Urlaubs zur Verfügung, so daß der Kontakt mit den alten Mitgliedern nie abriß. Die bisher primitiv hektrographierten oder mit Schreibmaschine vervielfältigten Rundschreiben, die neben den Klubnachrichten in erster Linie die persönlichen Mitteilungen enthielten, wurden zu einer eigenen Klubzeitung ausgebaut. Die erste Nummer der „Ivria-Blätter" erschien im Januar 1917, eingeleitet mit einem Artikel von Exiner „In Memoriam". Mit der Zeitung erweiterte sich auch der schon kurz vorher eingeführte „Spendenausweis", welcher sich in kurzer Zeit außerordentlich entwickelte und die finanzielle Basis des Klubs sicherstellte. Da außerdem eine große Anzahl der alten Mitglieder während des ganzen Krieges ihre Beiträge weiterzahlte und die Spendenausweise monatlich Beträge von 200,— bis 300,— Mark ergaben, tauchten jetzt, trotzdem wir uns im dritten Kriegsjahr befanden, alte Pläne wieder auf, welche man um diese Zeit kaum hätte erwarten können. So finden wir im Juniheft 1917 einen fünf Druckseiten langen Artikel von Georg Herrmann (datiert: im Felde 1917) über Bootshausbau und „Bootshausfonds". Detailliert ersteht hier vor uns das Projekt eines großzügigen Bootshausbaues mit Anregungen für die Beschaffung der finanziellen Mittel. Der Kapitalaufwand wird auf nicht weniger als 150000,— Mark geschätzt. In der nächsten Nummer der „Ivria-Blätter" erscheint bereits ein Aufruf zur Gründung des „Bootshausfonds", unterschrieben von den damals gerade in Berlin anwesenden fünf Alt-Ivriern, und ein weiterer, ausführlicher Artikel von Exiner, dem das Bootshausprojekt noch nicht großzügig genug erscheint und der es unter Einbeziehung des „Ruder-V. J. St." auf 250 000,— Mark erhöht. Die Klubkasse beteiligte sich an der Gründung des Bootshausfonds mit dem runden Betrag von 1000,— Mark, und in dieser selben Nummer werden die ersten von Georg Herrmann angeregten „Bausteine" gezeichnet. Am Ende des Krieges hatte derBootshausfonds einen Barbestand von über 5000,— Mark. Auf den Inhalt der „Ivria-Blätter" weiter einzugehen, ist im Rahmen dieses Artikels nur sehr beschränkt möglich. Jedenfalls zeigen sie, welche ungebrochene Kraft dem Klub innewohnt. Anfang 1917 wird in Sonderbeilagen zu den „Ivria-Blättern" zum erstenmal die Fusionsidee mit dem „R.V.J.St." behandelt. Auf die beiden ersten Aufsätze von Walter Pinner und Exiner gehen viele interessierte Zuschriften aus dem Felde ein, die für und wider Stellung nehmen und die ebenfalls veröffentlicht werden. Die Zusammenarbeit mit dem Ruderverein ist bis dahin nur eine sehr lose, zumal dieser einen eigenen Ruderbetrieb nur in beschränktem Maße unterhält. Während in den Jahren 1916/17 die sportliche Erziehung der Jung-Ivria ausgezeichnete Erfolge aufweist — es ist besonders zu vermerken, daß in sehr vielen Fällen auch auf leichtathletischem Gebiete die Jung-Ivria erfolgreich hervortritt —, 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.