Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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„Von den 38 aktiven Mitgliedern sind 37 ins Feld gerückt. Hiervon haben bisher 8 Kameraden (folgen Namen) den Tod gefunden; 10 wurden verwundet../7 Die Ivria hatte also 1915 buchstäblich aufgehört zu existieren. Trotzdem gab es eine Ivria, die aber erst nach Ausbruch des Krieges ins Leben gerufen worden war und welche versuchte, die Tradition der Vorkriegszeit fortzusetzen. Es ist das große Verdienst der wenigen alten Mitglieder, an ihrer Spitze Fritz Schwabe, Erich Marx, Georg Herrmann, unterstützt von Alfred Cohn, Fritz Schönheimer und Hans Prausnitz, welche in den ersten Monaten des Krieges als einzige noch in Berlin blieben, sofort mit größter Energie an die Schaffung eines Ivria-Nachwuchses herangegangen zu sein. Nachträglich müssen wir besonders anerkennen, daß schon im Oktober 1914, kaum zwei Monate nach Kriegsausbruch, die ersten Jungmitglieder aktiviert wurden, zu einer Zeit also, als noch niemand auch nur annähernd die lange Kriegsdauer voraussehen konnte. Es wurde damals eine sogenannte „Zöglings-Abteilung" gegründet. Fünf junge Leute im Alter von etwa 16 bis 17 Jahren bildeten den Grundstock für eine Jugend-Abteilung, die den Krieg überdauern sollte. Während die Ivria vor dem Kriege nur Erwachsene im Mindestalter von etwa 20 Jahren in ihren Reihen hatte, wurde sie jetzt mit dem Problem der Jugenderziehung befaßt. Hierfür mußten die Formen, die uns heute vertraut und selbstverständlich erscheinen, erst gefunden werden, zumal die Mitglieder der alten Ivria tendenzmäßig die verschiedenen Schattierungen zwischen „bewußt jüdisch" über „nationaljüdisch" bis zionistisch vertraten und auf diese feinen Unterscheidungen teilweise noch großen Wert legten. In intensivster Arbeit brachten es die wenigen alten Leute trotz des einsetzenden Winters dazu, die ersten Zöglinge rudertechnisch gut auszubilden und sie zu einer Gemeinschaft im Denken und Fühlen zusammenzuschließen. Bald traten neue Jungmitglieder hinzu, so daß Ende 1915 14 Jungmitglieder vorhanden waren, von denen allerdings 1915 auch schon wieder drei eingezogen wurden. Immerhin hatte diese Jung-Ivria, deren Erziehung so intensiv gehandhabt wurde, wie es wohl kaum eine andere Generation in der Ivria erlebt hat, genügend Bestand, um den Betrieb auch dann fortzusetzen, als die Gründer der Kriegs-Ivria ebenfalls zum Heeresdienst einberufen wurden. Hinzu kam, daß inzwischen auch einzelne alte Mitglieder, vor allen Dingen Exiner, der verwundet worden war, zurückkamen und als Ablösung eingreifen konnten. Bereits im September 1915 beteiligte sich ein Vierer der Kriegs- Ivria an der damals vom Jungdeutschland-Ruderverein veranstalteten ersten Kriegsregatta mit allerdings negativem Ergebnis. Der Mißerfolg der Regatta, welcher durch Übertraining herbeigeführt worden war, deprimierte die junge, sehr eifrige Mannschaft zuerst außerordentlich stark, war aber ein Ansporn für weitere sehr intensive Arbeit im kommenden Jahre. Kurz nach der ersten Kriegsregatta wurde Ende 1915 der Jugendruderverband gegründet, in den wir eintraten. Im Juli 1916 konnte die Kriegs-Ivria sich bereits an einer Veranstaltung des Jugendruderverbandes mit sehr gutem Erfolg beteiligen. Es handelte sich hier nicht um eine rudersportliche Konkurrenz, sondern um Wettspiele, bei denen die Jung-Ivria von fünf Konkurrenzen gleich drei, nämlich die Schwimmstaffette, das Mannschaftstauziehen und das Kugelstoßen, gewinnen konnte, während sie in der vierten Konkurrenz, nämlich in der Laufstaffette, den zweiten Platz belegen konnte. Das Ergebnis wurde in der Sportpresse freundlich besprochen, überraschend groß war aber der Erfolg, als die Jung-Ivria im September" 1916, trainiert von Exiner, sich mit zwei Vierern an der zweiten Kriegsregatta beteiligte und beide Rennen gegen die Jugendabteilungen der ersten Vereine in ausgezeichneter Form gewann. 9