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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Editorial · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Editorial
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Boot von hinten, „Match" genannt, so legen sich die Ruderer in die Riemen und . . .", so hieß es damals in einem Propagandaartikel der Jüdischen Rundschau, und auf den gleichen Ton war unsere jüdische und menschliche Erziehungsarbeit gestimmt. Es wurde geschafft mit jenem Fanatismus, den nur die Begeisterung für ein höheres Ziel zu geben vermag. Soweit ihnen der Beruf freie Zeit ließ, wurden unsere Menschen voll und ganz erfaßt. Wir verfügten über einen vorbildlich zusammenarbeitenden Vorstand, in welchem Heller die Technik, Schwabe die Erziehungsarbeit leitete, beide unterstützt durch unseren unvergeßlichen Carl Abraham, der den von uns erstrebten Menschentyp in fast idealer Weise verkörperte. Die Prinzipien unseres Zusammenlebens wurden damals entwickelt, Gemeinschaftsgefühl, Disziplin und wie die schönen Tugenden alle heißen, die Erziehung, aufgebaut auf dem Grundsatz, daß demjenigen, der für die Gemeinschaft mehr geleistet hatte, auch die höheren Rechte und der größere Einfluß gebührten. Stetig ging damals unser Weg aufwärts, obwohl — oder vielleicht gerade weil der äußere Rahmen des Betriebes — eine Wohnung mit Bootsschuppen in Niederschöneweide — denkbar einfach war und wir nicht, wie die Konkurrenz und der Klub selbst zu anderen Zeiten (wo es merkwürdigerweise schlechter ging), über ein schönes Bootshaus verfügten. Wir konnten sogar eine gewisse Anerkennung in der Ruderwelt feststellen, als wir damals den Versuch unternahmen, in den Deutschen Ruderverband zu kommen. Eigentlich wider Erwarten fanden wir hierzu auf der anderen Seite erhebliche Bereitschaft — wohl in Anerkennung unserer Leistung —, und die Aufnahme wäre erreicht worden, wenn man uns nicht die Streichung des Wortes „Jüdischer" in unserem Namen als Bedingung auferlegt hätte, wobei jedoch unsere sonstige innere Verfassung und Tendenz unberührt bleiben sollten. Wir konnten hierauf natürlich nicht eingehen. So blieb uns damals für sportliche Wettkämpfe nur der kleine, bewußt-jüdische Kreis übrig, die Ruderabteilung des V.J.St., Berlin, und die Ruderabteilung des Bar Kochba, Hamburg, im Jüdischen Ruderverband lose zusammengeschlossen. Aber wer miterlebt hat, wie heiß bei diesen Regatten — im Großen Zug zwischen Zeuthen und Crossinsee — gerungen wurde, dem werden diese Kämpfe, die von einem großen Publikum auf Dampfern verfolgt zu werden pflegten, unvergeßlich bleiben. Einmal trat die Ivria mit fünf Gebrüdern Hirschfeld an, scherzhafte Leute verglichen sie mit den Makkabaeerkämpfern. Abwechselnd fielen die Siegespalmen dem V. J. St. und der Ivria, deren mehrjähriger Schlagmann Erich Hirschfeld war, zu. Einen Höhepunkt bildete auch die Entsendung einer Vierermannschaft zum Wiener Zionistenkongreß 1913, die ihren Weg im „Montefiore" auf der alten Nibelungenstraße, der Donau, von Regensburg nach Wien nahm. So war alles im besten Werden; noch einmal versammelte sich am Sonntag, den 25. Juli 1914, die alte Ivria zur Kaffeetafel in Bellevüe am Müggelsee, da kam der Krieg. Nichts Welterschütterndes hatten wir in unseren ersten fünf Jahren geleistet. Aber daß wir auf unserem bescheidenen Gebiete Tatsachen richtig gewürdigt und hieraus die Konsequenzen durch die Tat gezogen hatten, das können wir heute — rückblickend — von uns sagen. Die KriegS*lvria Von H e r b e r t H i r s c h, Berlin In dem Jahresbericht der Ivria für das abgelaufene Jahr 1915, welcher für die im Felde stehenden Klubkameraden bestimmt war, finden wir unter dem Titel „Statistik" folgende lakonische Notiz-. 8

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