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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Editorial · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Editorial
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Der I. R. C. „fvria" — Von der Gründung bis zum Welt* krieg Von Martin Exiner, Berlin 1909 — das Rudern hatte es uns angetan. Nur die jüdische Gemeinschaft schien uns für den Sportbetrieb die würdige Form und zugleich Antwort auf die fast einmütige Ablehnung der Juden im deutschen Wassersport. Josef Loewy, der Bahnbrecher, schwärmte in jener Zeit von wettergebräunten Ruderleuten und ihren frohen Liedern. Er hatte soeben den Betrieb in der Ruderabteilung des V.J. St. eröffnet und war auch uns ein Wegweiser. Aber wir waren schwach an Zahl und noch schwächer an Geld. Der neuentstandene Jüdische Jugendbund kam uns gerade recht, um Anlehnung zu finden. Von der Zionistischen Organisation, die damals jeden Mann für Propaganda und jede Mark für den N. F. brauchte, konnten wir Unterstützung nicht erwarten. So wurde die „Ruderabteilung des Jüdischen Jugendbundes" gegründet, mit der Zielrichtung allerdings auf die noch in den Anfängen befindliche Jüdische Turnerschaft, deren Symbole in Flagge und Racezeug Aufnahme fanden. Mit dem Photo eines geborgten Vierers in der Tasche und mit viel Begeisterung im Herzen machten wir uns auf den Weg zur Beschaffung der Geldmittel. Kein „Magnat" war vor uns sicher. Man muß sagen, daß sich nicht alle verschlossen haben. James Simon darf hier nicht vergessen werden und nicht weniger Rechtsanwalt Benno Walter, der uns nicht nur Verständnis, sondern auch die Unterstützung der Logen brachte. Sie reichte in Verbindung mit aufgenommenen Darlehen (vom Jugendbund) zur Anschaffung des ersten neuen Perdess-Vierers „Montefiore", die Bezeichnung eine Ehrung für die Loge gleichen Namens. „Sport-Borussia" lieferte die alt-ehrwürdige „Spree" als Übungsboot. Die spartanisch einfache Lagerungsstätte unserer Boote waren ein paar Auflagen im ungedielten Schuppen von Dansch in Grünau, die wir mit dem V.J.St. teilten. Die ersten Instruktionen gab Herr Schreiber vom Spree- Ruderclub, unter dessen Leitung (Herbst 1909) die erste größere Tour uns nach Teupitz und Scharmützelsee, damals noch idyllische Fischerdörfer, führte. Am Schluß dieser Fahrt legte unser Gastinstruktor seine Tätigkeit nieder, weil seine schätzenswerte Arbeit seiner Meinung nach nicht hinreichend gewürdigt wurde. Man schuf Rat und gewann Max Heller, einen Turner des Bar Kochba, für uns. Er trat aus Welle-Poseidon, wo er ruderische Lorbeeren geerntet hatte, zu uns über und nahm die Instruktion in seine Hände. Ihm verdanken wir die Grundlagen unserer Technik, besonders das in jener Zeit kaum sonst gepflegte Rudern auf festen Sitzen, nicht minder aber den „nationalen Schwung" des Körpers und der Gesinnung. Weiter kam Fritz Schwabe zu uns, und nunmehr gewann — nach harten inneren Kämpfen — die offen nationaljüdische Richtung die Oberhand. Ein Antrag, das Turnliederbuch „Jung-Juda" obligatorisch anzuschaffen, ging durch, und dieses erschütternde Ereignis war das Signal für den geschlossenen Austritt der Gegenpartei. Wir proklamierten nun unsere Unabhängigkeit vom Jugendbund, gaben dem Klub den jetzigen Namen, traten in die Jüdische Turnerschaft ein und legten uns den Achter „Bar Kochba" (auf Abzahlung) zu, um den „Paritätischen", die sich zu einer solchen Bootstype noch nicht durchgerungen hatten, die Kraft unserer Idee sichtbar vor Augen zu führen (Winter 1910/11). Es war damals nicht so ganz einfach, unter jüdischer Flagge zu rudern und sich Sonntag für Sonntag der mehr oder weniger voreingenommenen Kritik der ruderischen Öffentlichkeit auszusetzen. Dazu kam der natürliche Gegensatz unserer kleinen bewußt-jüdischen Gruppe und der großen paritätisch-assimilatorischen Rudervereine. Alle Kräfte mußten angespannt werden. „Kommt aber ein 7

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