Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2827066-3186711-3186714--0893-3187045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tümern des Lebens wurde ein Teil der Rüstung der Nation für den Kampf um ihre Zukunft. Die jüdische Sportbewegung ist heute eine Macht, und mancher Zionisf, der sie früher als geistloses Athletentum belächelte, bestätigt heute ihren werbenden und erzieherischen Wert. Die Gründer der Sport-, insbesondere auch der Rudervereine, waren überzeugt, daß ihre sportlichen Übungen mit dem geistigen Charakter der Bewegung nicht nur verträglich waren, sondern eine erwünschte Ausdrucksform dieses Geistes bildeten. Sie vertrauen auch heute darauf, daß die mächtig angewachsene jüdische Sportbewegung im Wandel der Zeiten und Ideen dem Wesen der jüdischen Nation als einer Bewegung des Geistes treu bleibt. Moritz Bilteski, Haifa Die Gründung der „Ruderabteilung des Vereins Jiidi* Sdier Studenten11 Von Joseph Loewy, Haifa Es war im Jahre 1905, ich war ein junger Student an der Berliner Universität, als ich durch einen Aufruf in der „Judischen Rundschau" veranlaßt wurde, mich in einem Lokal in der Friedrichstraße einzufinden, wo über die Gründung eines jüdischen Rudervereins geredet werden sollte. Von den etwa 20 Leuten, die sich bei dieser Gelegenheit einfanden, hatte außer einem einzigen niemand auch nur die leiseste Ahnung von den mit der Ruderei zusammenhängenden praktischen Fragen, und ich erlaubte mir als Redner in der Debatte die Zweifel auszusprechen, ob die Zeit schon reif für eine solche Gründung sei. Infolgedessen wurde ich mit Erich Burin, Max Heller und einem oder zwei anderen in ein vorbereitendes Komitee gewählt. Dieses Komitee tagte einige Male und es erwies sich, daß ich mit meinen Zweifeln vollkommen Recht hatte. Ich schlug daher vor, die Gründung zu verschieben. In der Zwischenzeit sollten einige von uns in bestehende Rudervereine eintreten, um Rudern zu lernen und in den Betrieb eines Rudervereins Einblick zu gewinnen. Der einzige, der diesen Vorschlag befolgte, war ich. Ich trat in den zum größten Teil aus Juden bestehenden „Spree-Ruder- Club" ein, in dem ich etwa zwei Jahre lang tüchtig rudern lernte. Ich erreichte den von mir beabsichtigten Zweck vollkommen, und ich denke gern an die angenehmen Tage zurück, die ich in diesem Verein verbrachte, obwohl ich als Zionist und bewußter Jude diese Form des Assimilantenvereins ablehnte. Ich gedenke an dieser Stelle besonders gern meines alten Freundes Schreiber, dem ich insbesondere meine ruderische Ausbildung verdanke und der sich mir auch bei der Gründung der Ruderabteilung des Vereins Jüdischer Studenten in aufopfernder Weise und echt sportlicher Art als Trainer zur Verfügung stellte. Als ich soweit war, daß ich selbst einigermaßen rudern konnte, begann ich die Werbung im Kreise meiner Bundesbrüder. Mir war klar geworden, daß wir zunächst nicht mit einem prätentiösen jüdischen Ruderverein auftreten konnten, sondern daß es zweckmäßig wäre, vorerst die jüdische Flagge der Flagge der Ruderabteilung des Vereins deutscher Studenten auf dem Wasser an die Seit« zu steilen. Wir gründeten daher, wenn ich mich nicht sehr irre, schon im Jahre 1908 die Ruder-Abteilung der Vereine Jüdischer Studenten, indem wir auf dem Grundstück eines Bootsbauers in Grünau zunächst einmal einen recht anspruchslosen Schuppen mieteten und uns zwei Boote zulegten. Meine ersten Ruderkameraden waren Erich Kretschmer, Rolf Jacobi, Richard Michel und der viel zu früh im Kriege gefallene Karl Abraham. 2