Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Unser Weg Die Gründer des Ruder-V. J. St. und der Ivria waren Sprößlinge des deutschen Zionismus, insbesondere seiner studentischen Vereinigungen. Sie versuchten mit der Gründung der Rudervereine die zionistische Anschauung, in der sie erzogen waren, in einer neuen Art zu bewähren und weiterzugeben. Die rein theoretische Methode der Erkenntnis der jüdischen Situation und ihrer Verbreitung sollte durch enge persönliche Bindungen der gemeinsam der Idee Verpflichteten ergänzt werden. Eine Wirkung dieser Art hatte schon das damals von der deutschjüdischen Studentenschaft anerkannte Gebot gehabt, auf Kränkungen des Judentums in der akademischen Form des Zweikampfes zu reagieren. Diese Übung wurde als ein nicht unangemessener Ausdruck der Stimmung einer kämpfenden Kameradschaft empfunden, die man im Zeichen einer neuen und kühnen Idee bilden wollte. Aber die spezifisch studentische Form mit ihrer betonten, traditionellen Standeseigentümlichkeit schien manchen Mitgliedern der studentischen Organisationen unzulänglich, die außerhalb ihrer zionistischen Kreise Anschluß an die moderne Sportbewegung gefunden hatten. Sie wollten auch als Zionisten auf deren Reize und Werte nicht verzichten, und sie versuchten daher, ihre Formen den Formen der jüdisch-nationalen Bewegung einzugliedern. Damals bestand schon die jüdische Turnbewegung, deren Vereine im wesentlichen die Form des deutschen (Jahnschen) Turnens ausübten. Die sportliche Form der körperlichen Betätigung schien manche Vorzüge zu bieten: der Sport zwang seine Anhänger zur Leistung in einem friedlichen und oft doch recht ernsten Wettbewerb. Dem jüdischen Ruderer insbesondere, der zum ersten Mal den eine Art von Sportaristokratie bildenden Wassersportvereinen eine jüdische Flagge zeigte, wurde die Forderung der Leistung für die Gemeinschaft in augenfälliger Weise klar gemacht. Die Besonderheit dieses Sportes lehrte ein diszipliniertes Sicheinfügen, erforderte die genau auf einander abgestimmte Aktion einer Gruppe, der mit dem individuellen Können des einzelnen allein noch kein Erfolg beschieden war. Ferner aber erschöpften sich die Vorzüge dieses Sports keineswegs in den Forderungen und Freuden des Wettbewerbs. Das Rudern schuf durch große und kleine Fahrten ein tage- und manchmal wochenlanges kameradschaftliches Leben, vor allem aber gab es seinen Anhängern ein großes Geschenk, das weder Turnhalle noch Sportplatz bieten konnten: die Nähe der Natur, deren Schönheit den Ruderer stets begleitete. Mancher von uns hat in jener Zeit eine unzerstörbare Liebe zum Wasser gelernt, nicht wegen seiner Bedeutung für irgendeine liebliche oder großartige Landschaft, sondern als Element an sich mit seiner geheimnisvollen, immer wieder überraschenden und vielfältigen Schönheit. Der Sport, den die jüdischen Rudervereine übernahmen, enthielt also eine besonders reiche Kombination von erzieherischen und gemeinschaftsbildenden Wirkungen. Werte des Lebens, die viele unserer Altersgenossen sich durch Abwendung vom Judentum, durch Eingliederung in nichtjüdische Zusammenhänge erwerben wollten, wurden nunmehr auch und gerade den Kreisen erschlossen, die sich im Zeichen der neubelebten jüdischen Nation zusammenfanden. Die gemeinsame Freude an diesen, den älteren jüdischen Generationen unbekannten Reich- 1