Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der alte Rudergeist ist in uns noch immer so lebendig, daß Jacobi und ich mit einigen anderen Freunden gegenwärtig dabei sind, einen, wie wir hoffen, brauchbaren Ruderklub in Haifa zu gründen, der dazu beitragen soll, die von uns geschaffene Rudertradition nach Palästina zu verpflanzen. Von der „Ruderabf eilung" zum „Ruderverein jüdischer Studenten" Von A r t h u r S t e i n, Berlin Zunächst einige Daten über seine Entwicklung: Oktober 1907: Aufruf von Bbr. Joseph Loewy zur Gründung einer Ruderabteilung der Vereine Jüdischer Studenten in der Monatsschrift des Bundes Jüdischer Corporationen (B. J. C), „Der Jüdische Student". 20. November 1907: Gründung der Ruderabteilung durch Bundesbrüder der Vereine Jüdischer Studenten zu Berlin und Charlottenburg und der Makkabaea. März 1908: Aufnahme des Ruderns in Grünau bei Berlin mit zwei Booten, einem Vierer „Juda Makkabi" und einem Doppelskuller „Kadimah". 2. Juni 1908: Erstes Anrudern in Grünau bei Berlin. 1909: Gründung der Ruderriege des „Jüdischen Jugendbundes Berlin" (J.J.B.) mit mehreren Booten, aus der sich 1910 der „Jüdische Ruderklub Ivria" entwickelte. 1911: Gemeinsamer Ruderbetrieb beider Vereine in Niederschöneweide bei Berlin, später Gründung des „Verband Jüdischer Rudervereine" zusammen mit der Ruderabteilung in Hamburg. 1914: Gründung des „Ruderverein Jüdischer Studenten" zu Berlin. Viele Dinge aus der Vergangenheit erscheinen heute so selbstverständlich, daß man kaum wagt, darüber zu schreiben. Und doch waren sie vor nur 20 und 30 Jahren Taten, die überdurchschnittliche Energie, ungewöhnliche moralische Stärke, klare Erkenntnis im allgemeinen noch unbekannter oder bewußt verdeckter Zustände und feines Gefühl für zukünftige und notwendige Entwicklungen voraussetzten. Wenn die nächste Generation auf der früheren aufbauen soll und so naturgemäß die Errungenschaften übernimmt, so soll sie doch die Entwicklung der vorangegangenen kennen und respektieren, sonst gehen die geistigen und moralischen Früchte dieser Entwicklung leicht verloren. Eine entsprechende Einstellung der Palästina-Einwanderer im Verhältnis zum Jischuw z. B. würde manche unangenehme Begleiterscheinung der Immigration und des Aufbaues ausschalten. « Wie selbstverständlich ist heute jüdischer Sport geworden! Vor 25 Jahren noch war unter den Nichtjuden und gar bei den Akademikern Sport eine nicht allzu verbreitete Sache. Um wieviel mehr lag die Aufnahme von Sport, noch dazu eines so abseits gelegenen Sportes wie des Ruderns, jüdischen Akademikerkreisen fern. Waren die Vereine Jüdischer Studenten als erste unter offizieller und offener Deklarierung ihres Judentums in der Akademikerschaft an den deutschen Universitäten aufgetreten und wiederholte sich Ähnliches unter dem Einfluß paralleler Entwicklung gleichzeitig auf sportlichem Gebiet durch Gründung der Bar-Kochba- Vereine, so sollte in der Ruderabteilung der Vereine Jüdischer Studenten erstmalig eine Gruppe junger Juden im Wassersport erscheinen. Man darf etwas derartiges heute nicht unterschätzen. So etwas gab es damals nicht, wo Juden, wenn sie sich überhaupt diesem Sport anschlössen, versteckt oder, wie man heute 3