Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 3 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Stelle davon, daß der Wert der Individualität, nach seiner Auffassung von den Pflichten gegenüber dem Volke, nur darin bestehen kann, Glied in der Kette zu sein. Und wenn er seiher jungen, früh verstorbenen Frau hebräisch und deutsch die Grabschrift setzte: „Vor ihr lag das Land der Verheißung, aber sie durfte es nicht betreten", so ist damit das Schicksal seines eigenen Lebens ausgesprochen, das bis zuletzt von dem Gedanken erfüllt war, auch seine Zukunft mit der werdenden Heimat zu verknüpfen. Die ihn kannten, wissen, daß wir einen unserer Besten verloren haben. Und mir war er mehr. Alfred Klee. Theo Pelz Theodor Pelz ist am 14. März in der Nähe von Tel-Aviv bei einer Motorradfahrt — 22 Jahre alt — tödlich verunglückt. Einst glaubten wir, daß die eigentliche Bereicherung, die ein Kreis gewährt, in dem man groß wurde, in dem man gehofft, gesehnt und sich gefreut hat, nur die ahnen können, die nie das Glück hatten, Träger und Getragene einer solchen Gemeinschaft zu sein. Uns Anderen kam die Gemeinschaft, da sie lebte, nie zum Bewußtsein, wie das Leben selber. Heute, da uns, den Kreis der jüngeren Königsberger Bundesbrüder, der Erste, fast der Jüngste, verließ, empfinden wir sie — und ihre Wunde. Der Kreis ist gerissen. An der Stelle, wo wir wußten, daß dort dieser große, breite gesunde Junge, das Bild eines schönen K. J. V. ers, steht, wo wir sicher waren, ihn immer zu finden, wenn wir ihn suchten, da ist heute ein Nichts. Einer fehlt, einer, auf den wir uns stets verließen, der in Stille und Sachlichkeit immer der Pflicht nachkam, der, ohne weichlich zu sein, nie Jemanden verletzte, dem alles fehlte, was je nur an Eitelkeit erinnern konnte. Weil er das Leben nicht zu leicht nahm fand er nur selten ein zweites Ich, dem er sich ganz erschloß. Doch in den Stunden, in denen er aus sich herausging, und mitscherzte und mitlachte — das Lachen eines Kindes — und sang — ein so reines Singen —, da besiegte er jedes Gefühl der Kälte, das der Eine oder Andere bei ihm empfunden haben mag. 83