Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 3 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Simon Die vorstehenden Zeilen schrieb er wenige Tage, bevor ihn die Krankheit in ganzer Schwere überfiel. Uns aber, die wir noch nicht zu fassen vermögen, was wir verloren, zwingt sein Tod die Feder in die Hand, um zu sagen, wer Fritz Simon war. Er liebte nicht große Worte, deshalb soll nur ganz schlicht, aber wahrhaftig, über ihn gesprochen werden. Er war ein Mensch von überlegener Klugheit und von lauterstem Charakter. In seiner persönlichen Lebensführung und in seinem Beruf ein Mann, der aufs gewissenhafteste bemüht war, nichts zu tun, was seiner Überzeugung widersprach. Wer ihm je begegnete, fühlte, daß diese Zuverlässigkeit und menschliche Geradheit den Kern seines Wesens bildeten. Er flößte unbedingtes Vertrauen ein, und dieses Vertrauen in die Reinheit seiner Gesinnung war die Grundlage, auf der seine menschlichen Freundschaften, seine beruflichen Erfolge und sein jüdisches Wirken beruhten. Unserem Ideal von frühester Jugend an ergeben, Wortführer der zionistischen Gedanken im neutralen „Jüdischen Jugendbund", dort einer der ersten und mutigsten Vorkämpfer unserer Sache, war er aus dem K. C. mit uns Gleichgesinnten ausgetreten, als dort die antizionistische Strömung die Oberhand gewann, nachdem er auch hier seinem besonders ausgeprägten Gefühl für Ritterlichkeit und jüdische Würde im Kampf nach außen durch die Tat Ausdruck verliehen hatte. Diesem Ritterlichkeitsgefühl entsprach auch seine jüdisch-zionistische Haltung im Kriege, den er als preußischer Offizier mitmachte, sich, wo immer sich die Möglichkeit bot, in brüderlichem Verständnis der ostjüdischen Bevölkerung annehmend. Schwager unseres unvergeßlichen Erich Rosenkranz, war er einer der Mitbegründer des nach ihm benannten Alt-Herrenbundes unseres Kartells. Er erzog seine Söhne in Treue zu unserem Volkstum. Schon vor 10 Jahren schrieb er in seinem Testament, daß er für sie eine möglichst starke Erziehungseinwirkung in jüdisch-nationalem Sinne, Kenntnis der hebräischen Sprache, der zionistischen Schriften, Beziehungen zu entsprechenden Organisationen, möglichst Besuch einer jüdischen Schule wünsche, „daß sie sich hier auf einen praktischen und produktiven Beruf vorbereiten sollen, der ihnen die Mitarbeit an unserem Aufbauwerk in Erez-Jisrael ermöglicht." Wenn er fortfährt: „Die Hauptsache ist, daß sie aufrechte, wahrhaftige, innerliche bescheidene und unegoistische Männer mit Charakter und Persönlichkeit werden", so gibt er damit, gewiß ohne es zu wollen, die treffendste Charakteristik seiner selbst, spricht er doch auch an derselben 82