Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 3 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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„Arbeiterinnen erzählen" Im Rahmen der verdienstvollen Arbeit des H ec h a 1 u z, der zionistischen Bewegung und insbesondere dem deutschen; Judentum Bücher und Sammelschriften an die Hand zu geben, ist zugleich mit der Herausgabe einer Broschüre „K i b b u s c h'\ deren Besprechung wir uns vorbehalten — das Buch „A r b e i t e r, i n n e n erzählen/" (Kampf und Leben in Erez Israel), Verlag „Kedem", Berlin- Charlotteniburg, erschienet Nach einem so hervorragenden Buche wie „Volk und Land" hielt es schwer, ein ihm ebenbürtiges folgen zu lassen. Das vorliegende Buch ist im wesentlichen eine Uebertragung des 1929 in Tel-Aviv erschienenen Sammelbuches „D i w r e j P o a 1 o t h". Die gute Uebersetzung bringt Ree ha Freier. Das Buch soll, wie es im Vorwort heißt, die tieferen „unpolitischen" Beweggründe der zionistischen Arbeiterbewegung aufzeigen!, und man darf sagen, daß dies ausgezeichnet gelungen ist. Es wird ein Querschnitt gegeben durch das palästinensische Landarbeiterlebenl vornehmlich ein Bild von dem Lebensabschnitt der Frau. Das Buch ist von Menschen der zweiten und dritten Alijah geschrieben, die Landarbeiterinnen geworden sind. Es ist beinahe selbstverständlich, daß es nur vom Leben auf dem Lande handelt, wenn man weiß, welche Bedeutung ihm in der Prooortion „Stadt und Land" vor 1929 zukam. Der Aufsatz „Die Fabrikarbeiterin" von Gerda Luft, als Vervollständigung gedacht, ist in dieser Sammlung überflüssig. Die Beiträge, in Abschnitten geordnet, sind imi Grunde genommen ein einziges Lied der Arbeit, voller Bindung an das Land und seine Menschen, Sie verlieren sich nicht in der Aufzeigunig von Problemen, sondern sind Erzählung. Geschichte und Wirklichkeit. Wenn einmal ein Problem diskutiert wird, so geschieht es mit Gründlichkeit, Ehrlichkeit und ohne Doktrin. Es sei auf das Kaoitel ,.Bei den 'Kindern''', vielleicht dias interessanteste des ganzen Buches, hingewiesenl Es ist billig, wenn der Gegner der Kwuza satft, diese lehne die Familie ab und erkenne nur die Ge 10 meinschaftserziehung an, Esther Rabino witsch schreibt: „Wenn wir die Form der Familie aufgegeben haben, so sagen wir nicht, daß man alles verwerfen soll, ihr Gutes und Böses. Im Gegenteil, wir müßten in die neuen Lebensformen das Wertvolle der früheren Familienerziehung hinübernehmen," Oder eine andere Stelle: „Wir dachten nie daran, die Liebe der Kinder zu den Eltern durch etwas anderes zu ersetzen; dazu aber sollte die Liebe zur Gemeinschaft kommen," (Eva Tabenkin.) Das einleitende Kapitel „Bewährung" beginnt mit dem Beitrag „Meine Alijah", Auch in der Anthologie „Volk und Land" enthalten, schafft er den inneren und äußeren Uebergang von jenem zu diesem Buch. Er führt uns ein in die Verwirklichungsperiode des modernen Zionismus, der letztlich von der nie erlöschenden lebendigen Beziehung des jüdischen Volkes zu Erez Israel gespeist wird. Wohl am interessantesten in diesem Kapitel ist der Beitrag: „Wie ich Arbeiterin wurde." Es folgen dann die Abschnitte „In der Arbeit", „Mit sich allein", „Im literarischen Schaffen*'. Das letzterwähnte Kapitel enthält mehrere Gedichte von Rachel B1 u wstein der bekannten im Jahre 1931 verstorbenen Arheiterdichtßrin. Auch der allerletzte Abschnitt „Heimgegangene" spricht von ihr. Sehr aufschlußreich ist der „Im literarischen Schaffen" abgedruckte Aufsatz „Zwischen zwei Sprachen" von Rachel Katznelson, der unter Berücksichtigung kulturell-psychologisch er Momente die Tatsache zu analysieren! versucht, daß Menschen, die der Poale Zion nahestanden, in Polen für Jiddisch eintraten, in Pal äs ti* n a aber für Hebräisch. Im Schlußkapitel wird iener Menschen gedacht, die ihr Leben in der Arbeit für Erez Israel hingaben und die der Arbeiterinnenbewegung früh« zeitig durch ihren Tod verloren gingen. Die Lektüre dieses Buches sei jedem Zionisten und jeder Zionistin empfohlen. Jakob Rosenberg.