Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 3 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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einer gewissen lebensmäßigen Radikalisierung des deutschen Zionismus wurde im Kartell allgemeiner erfaßt. Auch die Keilarbeit nahm, nach Beilegung der inneren Differenzen, eine erhebliche! Wendung zum Besseren. Blumenteid verstand es, dem KJV. ein neues Ziel zu geben: Mittelpunkt der national-jüdischen Jugendbewegung in Deutschland zu werden. Das bedeutete für das Kartell, daß es sich vor den großen geistigen Auseinandersetzungen nicht verschließen dürfe, daß es imstande sein müsse, die Jugend im Blau-Weiß und in anderen Bünden zu verstehen; daß es sich dann aber sehr wohl zutrauen könne, vermöge der reiferen Altersstufe und der damit gewährleisteten gefestigteren zionistischen Haltung die Jugend um sich zu gruppieren, sie zu leitem, ihr Führer zu stellen. Schwungvoll und energisch vertrat er diese Meinung, wo immer er hinkam; und es gelang, selbst in der VJSt. Ivria-Heidelberg, der „Krisenverbindung", die inneren Kämpfe beizulegen und ein ordentliches Verbindungsleben in Gang zu bringen. Die Radikalsten von rechts und links mußten dort das Kartell allerdings verlassen; aber es konnte nicht geduldet werden, daß einzelne Bundesbrüder in Einseitigkeit und Intoleranz durch immer aufs neue hervorgerufene endlose T«ndenzdebatten jede wirkliche Arbeit unmöglich machten. Für jeden beliebigen Radikalismus konnte das KJV. keinen Platz bieten. So trug die Arbeit des Präsiditims langsam ihre Früchte. Die Tagung der Erstchargierten in Berlin während der Herbstferien bot das Bild eines arbeitseifrigen, zionistisch lebendigen! Bundes, der den gesteigerten Anforderungen der veränderten Situation auch in seiner Erziehungsarbeit genügen wollte. Während man also immer mehr erkannte, daß die Forderung der Einheit auf dem l.K.T. mit Recht erhoben1 worden war, Während sogar in Frankfurt die Spaltung wieder rückgängig gemacht wurde, verstärkte sich die konservative Opposition gegen den» neuen Kurs: die Führung in diesem Kreise ging jetzt an die VJSt. Z e p h i r a-Breslau über, die Ende des Semesters einen Beschluß annahm1, der die R i n g b i 1 d u ng forderte. Unter Umgehung des Präsidiums und ohne dessen! Briefe anfangs auch nur zu beachten, entfaltete sie bei allen Kartellorganisationen mit Rundschreiben, Delegationen zu Konventen und privater Korrespondenz eine umfangreiche Agitation. Die JSt.en jener Monate sind erfüllt mit Artikeln, die das pro und contra der Ringbildung erörtern. Die Zephira, der Bezirksverband Mittel- und Niederschlesiem, der VJSt. Berlin (in dem jedoch die Mehrheit der Aktiven gegen die Ringbildung war) machten geltend, es sei ihnen1 nicht mehr mög* lieh, mit Menschen einer so ganz anderen Haltung, wie die Blau-Weißen und vielei andere Anhänger der Reform sie hätten, in der1 bisherigen engen Bundes* brüderlichen Weise zusammen zu leben; tatsächlich hätte sich ja in Breslau (wo von der Zephira eine VJSt. Hacheruth sich abgespalten hatte) und in Frankfurt (s. o.) eine Scheidung der Geister auch äußerlich vollzogen, und sie verlangten ja nichts anderes, als daß (dieses überall geschehen dürfe, und die einzelnen Korporationen verwandter Art sich innerhalb des Kartells zu Ringen vereinigen könnten. Das würde viel überflüssige Reibung vermeidbar machen und die Keilarbeit nicht stören; man könnte den Keilfüxen doch meistenteils schon ansehen, wohin sie passen! würden, und danach sie1 sich gegenseitig zuweisen. Demgegenüber wies das Präsidium mit Recht darauf hin, daß es fast überall gelungen sei, die Krisen zu beheben, und daß in fast allen Verbindungen] durchaus der Wille betehe, diese wiedergewonnene Einheit zu bewahren, daß die Keilerfolge — seit dem ersten Kartelltag über 300 neue Fuxen (damals wurde mit Rücksicht auf die Kriegsteilnehmer in den Ferien ein sogen. Zwischensemiester gelesen, was die Keilchancen vergrößerte) — jedenfalls nicht für eine völlige Aktionsunfähigkeit eines angeblich nur äußerlich geeinigten Kartells sprächen. Es sei gar nicht abzusehen, wohin es führen könne, wenn man jeder 77