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Der jüdische Wille · 1935-04-01 · Heft 3 (April 1935) · page 20

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 3 (April 1935)
Date
1935-04-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Gedanken der Einheit des KJV. am leidenschaftlichsten und überzeugendsten verfochten. So war es natürlich, daß er zum Präsiden gewählt wurde. Erich Buchholz und Walter Moses traten in das Präsidium ein, in dem Bileski, Salli Hirsch, Arthur Stein, Albert Wunderlich und andere die Kontinuität wahrten. Zwirn, Ascher und Kirschner konnten sich noch nicht entschließen), diesem Präsidium beizutreten} immerhin leistete Hermann Lelewer aus dem VJSt, Berlin der Wahl Folge, und man durfte hoffen, daß durch einen nachträglichen Entschluß Zwirns das Präsidium wirklich ein Koalitionspräsidium werden würde. Die Einheit war jedenfalls gewahrt, das KJV. neu gegründet worden. Freilich war es nicht ganz leicht, diese schließliche Stimmung des Kartelltages zu erhalten, als man daran gehen' mußte, die Verbindungen aufzubauen und die Arbeit in Gang zu bringen. Der Umstand, daß Zwirn sich nicht entschließen konnte, ohne Konzessionen von der Gegenseite in das Präsidium einzutreten, hatte zur Folge, daß die gleichgesinnten Bundesbrüder die neue Führung mit Abneigung betrachteten, die notwendigen Reformen nicht gerne durchführten, sich nicht umgewöhnen konnten und fortfuhren, die Ringbildung zu propagieren; andererseits verlor der Blau-Weiß seine Anziehungskraft auf diejenigen seiner Angehörigen, die im KJV. aktiv wurden, keineswegs; im Ueberschwang der damaligen revolutionären Stimmung wollten sie nicht davon lassen, eine völlige Umgestaltung des in ihren Augen durch Tradition allzu schwer belasteten Kartells nötigenfalls zu erzwingen; und so kämpften anfangs noch in fast allen Verbindungen die einander entgegenstehenden Richtungen mit Leidenschaft und Zähigkeit auf vielen tief in die Nacht hineinreichenden Konventen um die Gestaltung des KJV, und des Korporationswesens, In Frankfurt kamt es gar zu einer Spaltung; neben! der VJSt. Saronia tat sich eine zweite, VJSt, Achduth, auf, vorwiegend von Anhängern der Reform gegründet. Aus Freiburg und Würzburg wiederum wurden energische Wünsche laut, eine klare Entscheidung herbeizuführen und die Blau-Weißen vor die Alternative der bedingungslosen Einordnung oder des Austrittes zu stellen* Der VJSt. Berlin begann mit der Durchführung eines Erziehungsprogrammes, das in betontem Gegensatz zum Hechawer stand, die Jugend, die dort heranwuchs, sollte nicht in ihrer eigenen Gemeinschaft das Letzte und Schönste des Lebens sehen, sondern in engster Nähe zu den Alten Herren, besonders den verheirateten, das jüdische Haus erleben; während Ehe, Familie und bürgerlicher Hausstand überall in jener Zeit der ironischen Prüfung sozialistischer oder jugendbewegter Gesellschaftskritik unterworfen wurde, sollte hier die Aktivitas bewußt wfamiliarisiert" werden; keine „Intellektuellen", sondern kräftige Männer sollten die Fuxen werden; das Hebräisch-Lernen sollte zugleich zu einer Annäherung an die alten religiös-nationalen Lebensformen führen; die Lebensfragen des Galutb- Judentums sollten auch in einer Zeit fast eschatologischer Palästina-Erwartung und Aufbruchstimmung in der gebührenden Weise beachtet werden; Bruno Kirschner bemühte sich mit großem Eifer um die Duchführung dieses Programms und vertrat es mit Entschiedenheit vor der Oeffentlichkeit des Kartells im JSt. So hatte das Präsidium anfangs einen schweren Stand; wohl ließen die organisatorischen Aufgaben sich lösen, wohl kam der Betrieb in Gang. Aber erst sehr allmählich, nach vielen Schmerzen und Mühen des Anfangs, gelang es Blumenfeld, auch ideologisch durchzudringen. Ein gewisser Teil der Altherrenschaft freilich vermochte sich aus seiner passiven Resistenz nicht herauszulösen, und nur schwer verstanden sich manche Blau-Weiße dazu, in die Ueberlieferungen des KJV. sich mit Liebe oder doch wenigstens Teilnahme einzuleben. Aber etwa nach der ersten! Hälfte dieses SS. 1919 war doch ein deutlicher Aufschwung zu spüren). Die Blau-Weiß-Führer aus dem Berliner: Hechawer wurden innerlich für das KJV. gewonnen; und die Notwendigkeit 76

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