Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 3 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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schwieriger, als unter dem Einfluß allgemeiner geistiger Strömungen das neue Leben, das heute sich rege und nach Anerkennung strebe, merkwürdigerweise nicht den Wunsch habe, in bestimmten, festen Formen wirksam zu werden. So erkläre sich der Wunsch der Bundesbrüder aus den Hechawer, das Fuxeninstitut abzuschaffen, auf Keilarbeit zu verzichten. So erkläre sich der Wunsch, nur in Freundschaftsgruppen zu leben, so erkläre sich das ganze familienhafte Gemeinschaftsideal, das nur in dem völligen Aufeinander-abgstimnit-sein aller Seelen wirkliches Gück zu finden vermeine; eine feminine Stimmung, der das KJV, keinen Raum bieten dürfe. Jene Selbstgenügsamkeit kleiner Gruppen sei im jüdischen Leben nicht möglich; der Zionismus könne nicht auf Kampf und Werbung verzichten." Uns genügt nicht die Gemeinschaft aus Wahlverwandtschaft, die im eigenen Kreise Genüge findet und nur ihre Leistung innerhalb des Volkes wirken lassen will, wir wollen den Bund der jüdischen Männer, die sich verantwortlich fühlen für alle Teile des jüdischen Volkeis und für alle Erscheinungen des jüdischen Lebens. Unsere Verbindungen sind gewiß die Stätten, in denen Freundeskreise sich bilden, die in engster Seelengemein-' schaft gemeinsam ihr Leben führen; der höhere Wert der Verbindung liegt jedoch darin, daß jeder Bundesbruder sich eins fühlt mit dem ganzen Bunde. . . . Nur der gegliederte Bund politisch erzogener jüdischer Männer ist kampffähig, und den kampffähigen Bund brauchen wir für den Aufbau Palästinas und für die Arbeit im Galuth." Damit war angedeutet, daß jeder Versuch, das neue Leben abzusperren, anachronistisch und insofern wirklich schädlich sei; daß also der Kreis um Zwirn versuchen müsse, sich umzustellen, zu dem Neuen ein Verhältnis zu gewinnen. An die Anhänger der Reform aber wurde deutlich die Mahnung gerichtet, sich zu emanzipieren von dem Einfluß der Außenwelt; die zeitgenössischen geistigen Strömungen zwar zu kennen, aber nicht ihnen zu erliegen, sondern sie zu beherrschen; um der zionistischen Verantwortung willen diszipliniert in notwendige Formen sich zu fügen. Die konservative Opposition vermochte, nicht, sich völlig diesen Anschauungen anzuschließen. Dagegen wirkte Blumenfeld stark auf die Hechawer* gruppe. Er hatte so gesprochen, daß Erich Buchholz und seine Freunde empfanden, es würde ihnen! Verständnis entgegengebracht auch da, wo ihre sachlichen Forderungen betritten wurden. Und ungefähr so entschied auch der Kartelltag in den Fragen der Neugestaltung. Wichs und unbedingte Satisfaktion wurden ohne lange Debatte abgeschafft. Das Fuxeninstitut blieb erhalten, Keilarbeit wurde allen! Venbindungen zur Pflicht gemacht. Der akademische Rahmen wurde wenigstens grundsätzlich unangetastet gelassen; wenn man die Wahl der Formen1 für die Geselligkeit den einzelnen Verbindungen überließ, so darum, weil man hier mit Recht mehr vom Leben selber als von Statuten erhoffte. Der gewatig vergrößerten Ausdehnung des zionistischen Arbeitsgebietes trug man Rechnung, indem einzelnen Korporationen eine Spezialisierung ihrer Tätigkeit, z. B. also Mitarbeit beim Hapoel Hazair, in der Turnerschaft usw. gestattet wurde. Auf Antrag von Arthur Stein wurde aber ausdrücklich beschlossen: „Eine gesinnungsmäßige Abschließung einzelner Korporationen, z. B. unter Zugrundelegung von Fragen der modernen Lebens- oder Wirtschaftsreform oder der Tagespolitik, wird in Rücksicht auf die Erziehungsprinzipien und die zionistische Einheitlichkeit des Kartells abgelehnt. Einzig und allein der Zionismus ist die Gesinnung, welche die Grundlage und die Grundstimmung für das ganze Kartell gibt." Blumenfeld hatte eine große Idee eines starken einheitlichen^ von männlichem, zionistischem Geiste erfüllten Kartells entwickelt. Er hatte den 75