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Der jüdische Wille · 1935-04-01 · Heft 3 (April 1935) · page 18

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 3 (April 1935)
Date
1935-04-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Entstehung und Entwicklung des K.J.V. Von Bbr. Walter Gross Wir setzen mit diesem Abdruck den im Heft 4 des 2. Jahrgangs begonnenen Artikel fort. Auf Wunsch sind wir gern bereit, dieses Heft nachzuliefern» Red. IV. Am 15. Februar 1919 trat der l.o.K.T. in Berlin unter außerordentlich großer Beteiligung aus allen Teilen des Reiches zusammen, Egon Rosenberg eröffnete ihn; Theodor Zlocisü hielt1 die Gedenkrede auf die gefallenen Bundesbrüder. Dann wandte man sich den sachlichen Verhandlungen zu. Das große programmatische Referat über die künftige Gestaltung des KJV, hielt Blumenfeld; und damit wurde es klar, daß ein Mann da war, der die vorhandenen Kräfte der Mitte, der gemäßigten Reform, des traditionsbewußten Umgestaltungsiwjillens zusammenfassen und ein*e jneue Idee des KJV. entwickeln konnte. Die konservative Oppostion konzentrierte sich im VJSt. Berli n, den AH. Isaak Zwirn führte. Auch die Altherrenschaft insgesamt hatte eine gewisse Widerstandsstimmung gegen Neuerungen entwickelt, aus der heraus der Plan von Martin Ascher, einen besonderen Altherrenverband zu schaffen, der gegenüber dem Präsidium des Gesamtkartells weitgehende Selbständigkeit besitzen sollte, geboren war. Auf der anderen Seite standj der VJSt. Hechawer, der in der großen Mehrheit der Aktivitas mit seinen Wünschen starke Resonanz fand. Von Seiten: der Rechtsgruppe wurden Forderungen laut, der starken Flügelentwicklung im Kartell dadurch Rechnung zu tragen, daß im Reiche die Verbindungen besonderer Haltung sich zu „Ringen" vereinigen sollten, deren Gesamtheit dann das Kartell ausmachen würde. So würde man allen! Debatten aus dem Wege gehen können, und sowohl dem Geiste der Jugendbewegung, wie dem der Tradition freie, von gegenseitigen lästigen Beeinflussungsversuchen ungehinderte Entfaltungsmöglichkeit gewähren. Zu bestimmten Anträgen verdichteten diese Wünsche sich noch nicht; aber sie waren vorhanden, wurden besprochen, und es bestand die Gefahr, daß diese von rechts her kommenden Velleüäten auch auf die Gruppe der radikalen Reform eine verführerische Wirkung üben könnten. Alle Nöte schienen so leicht sich lösen zu lassen; nur eines wäre dabei verloren gegangen: die Einheit und damit die Kraft des Kartells. Das erkannte Blumenfeld und der Kreis derer, die ihm folgten. Und so ungefähr entwickelte er seine Ansicht vom Neuaufbau des KJV.4'): An den alten Formen starr festzuhalten, sei schlechterdings unmöglich. Aber es sei ein Irrtum, anzunehmen, daß diese Formen das Wesentliche am alten Kartell gewesen seien. Das Wesentliche sei das menschliche Idealbild gewesen, auf das hin erzogen worden sei: „. . . das KJV. wollte Menschen erziehen, die beim Aufbau der jüdischen Zukunft durch ihre Charakterbildung, ihre Zuverlässigkeit, ihre männliche Entschlossenheit, durch ihre Fähigkeit, sich unterzuordnen und im Dienste der Gesamtheit pflichttreu zu arbeiten, wahre Bürger unserer jüdischen Zukunftsheimat werden sollten!/ (Die Erziehung unserer Bundesbrüder sollte jene seelische Haltung erreichen, die sie Herren ihrer Gefühle und Stimmungen werden ließ, ihnen die Fähigkeit gab, geschützt zu sein gegen Uebertreibungen, gegen die großen Worte und gegen die verführerische Kraft des Superlativismus." Und während alle Formen wandelbar seien, müsse dieses Erziehungsziel auch weiterhin gelten. Das besondere Problem der Gegenwart sei nun dieses, zu neuen Formen zu gelangen. Das sei um so *) Vgl. Jüdischer Will«, April/Mai 1919, S. 11 ff. 74

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