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Der jüdische Wille · 1935-04-01 · Heft 3 (April 1935) · page 12

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 3 (April 1935)
Date
1935-04-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Bildungsarbeit leisten zu können. Hier Hegt also ein in sich ruhender, unkämpferischer, auch der Werbung entsagender Totalitätsanspruch vor, der in der Bindung an das jüdische Gesetz, also in einer religiös gegebenem Voraus« Setzung seinen Grund hat. Auch der Bund d e u t s c h j ü d i s c h e r Jugend erhebt einen Anspruch auf Ausschließlichkeit, der zwar weltanschaulich begründet wird, sich aber im wesentlichen organisatorisch auswirkt. Nach der Struktur dieses Bundes und seines Erziehungszieles rückt die Bildungsarbeit in den Mittelpunkt der Erziehung, Von ihr wird die Prägung eines neuen Jüdischen Menschen, wenn auch in der alten Umgebung, erwartet. Strukturell ist hier also eine Abschließung etwa von den zionistischen Gruppen in der Bildungsarbeit angelegt. Man bindet den Bildungsstoff an die eigene „weltanschauliche" Position, die durch die Bildungsarbeit zu bestätigen ist, nicht etwa in Frage gestellt werden darf. Soi ist zwar hier ein weiter Raum für die zu erwerbenden Bildungsstoffe ausgespannt, aber eben doch ein Raum, in dem dieser Stoff von der eigenen weltanschaulichen Position vorgeformt dargestellt werden) soll. Die zionistischen Bünde gehen für ihre Bildungsarbeit zwar ebenfalls von dem Totalitätsanspruch der zionistischen Erkenntnis aus. Ihre Bildungsarbeit ergänzt die von ihnen zu verwirklichende Formung eines neuen jüdischen Menschen in Palästina. Dieses Ziel steht im Vordergrund. Da die Erfüllung dieses Zieles den jungen Menschen in seiner Ganzheit beansprucht, vor allem auch in seiner Ausbildung, in seinem Beruf, in seiner Lebensform, ist die Bildungsarbeit für die zionistischen Bünde nur ein Teil ihres Erziehungssystenus, dabei durchaus nicht der wichtigste Teil. Daraus kann die gelegentlich bei den zionistischen Bünden feststellbare Tendenz einer Unterschätzung der jüdischen Bildungsarbeit verstanden werden, die sich sogar manchmal bis zu einer Bildungsfeindschaft verstärkt. Diese Tendenz bezieht sich aber stärker auf die psychologische Voraussetzung etwa des zu schwerer körperlicher Arbeit umschichtenden Chaluz für die Bildungsarbeit. Denn die, Bundesleitungen de* zionistischen Bünde, die mit Erfolg gegen diese bildumgsaogewandten Strömungen angehen, haben konkrete Forderungen aufgestellt, die die Bünde zu intensiver jüdischer Bildunigsarbeit heranziehen. Der Bildungsraum ist zwar wesentlich enger; denn er erstreckt sich auf die künftige Lebenssphäre des Chaluz. Dafür ist aber der Bildungsstoff konkret aus-» gerichtet auf eine in die eigene Willensentscheidung gegebene Verwirklichung. Die Kraft der zionistischen Ueberzeugung führt dabei immer wieder zur Konfrontation mit der nichtzionistischen Welt. Zwar dient die Bildungsarbeit auch hier der Bestätigung; aber diese Bestätigung vollzieht sich nicht nur im eigenen Kreis, vielmehr erweist sie sich erst in der Auseinandersetzung; denn die Bildiungsarbeit wird getragen von dem Impuls und der Erfahrung, daß der jüdische Bildungsstoff selber die zionistische Entscheidung notwendig ergebe, wenn alle Hemmungen, Blockierungen und Interessenlagen durchbrochen werden. So haben sich die zionistischen Bünde am ehesten einer gemeinschaftlichen Bildungsarbeit der jüdischen Jugend offen gezeigt. Haben so die jüdischen Jugendbünde kraft ihrer inneren Struktur die Tendenz, ihre Bildungsarbeit jeweils selbständig für den Bund aufzubauen und durchzuführen, so hat sich dennoch bei der Führerschulung eine gemein« schaftliche Bildungsarbeit als möglich erwiesen. Allerdings zeigen die bis jetzt vorliegenden Erfahrungen von übenbündischen Schulungslagern und Lernzeiten die Notwendigkeit der Konzentration auf das jüdische Lehrgut; denn ideologische Auseinandersetzungen sind diesen Lernzeiten bis jetzt ferngehalten worden. Zwar kommen Teilnehmer verschiedener Bünde an solchen Schulungs* lagern, namentlich wenn sie sich über längere Zeit erstrecken, miteinander auch in weltanschauliche Gespräche; dabei werden aber bis jetzt, im Stadium der Versuche einer Gemeinschaftsarbeit, die Ansätze einer echten Erschüt- 68

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