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Der jüdische Wille · 1935-04-01 · Heft 3 (April 1935) · page 8

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 3 (April 1935)
Date
1935-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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gefüllt, Juden und Nichtjuden, Reiche und Arme, Freunde und Feinde . . ., dabei muß ich vor Müdigkeit auf dem Rücken liegen und wende so schwach« daß ich kaum weiter zu sprechen vermag." Trotz dieser anstrengenden! Tätigkeit fand er neben seinen philosophischen Arbeiten noch Zeit, eine Reihe medizinischer Schriften zu verfassen. Das bedeutendste Werk dieser Art sind die „Aphorismen", in denen er mit scharfer Kritik und in knappem Rahmen einen Ueberblick über das Lehrgebäude Galens gibt, „ein gewaltiges Werk, das für den Praktiker des 13. und 14. Jahrhunderts unentbehrlich war". (Pagel.) Von bedeutenden Aerzten noch des späteren Mittelalters wurde er vielfach als Autorität zitiert. Natürlich steckt Maimonides im allgemeinen in den! Anschauungen der mittelalterlichen Humuraltheorie mit dem Glauben an dickflüssige Schleime, dickflüssiges Blut, melancholische* (schwarzgallige) Dünste usw. Oft aber kann man in seinen Aeußerungen Gedanken bewundern, die nicht nur heute noch als Grundsätze ärztlichen Handelns gelten, sondern ganz modern anmuten. So stellt er zunächst an die Spitze Jeder ärztlichen Tätigkeit die Erforschung der Ursache einer Krankheit und die Stellung der richtigem Diagnose. In seinem HeiLplan spielt die Natur die erste Rolle, „da sie keine Irrtümer begehe, wie es so häufig bei den Medizinern vorkomme". Auch die psychisch-phy* Bischen Zusammenhänge übersieht er nicht, und mitunter glaubt man, bereits psychoanalytische Gedankengänge zu erkennen. Die Verordnung von Medikamenten spielt neben der Regelung der Lebensweise eine untergeordnete Rolle. Wo er sie aber anwendet, hält er streng auf gewissenhafte Dosierung. Dabei warnt er vor einem zu häufigen Gebrauch starker Mittel, weil sie dann einfach wie eine Speise resorbiert würden, ohne eine Heilkraft zu entfalten. Hier hat er demnach bereits eine Erscheinung beobachtet, die wir heute als Gewöhnung bezeichnen und die auch in der Reizkörpertherapie eine Rolle spielt. In unserer Zeit ist es ja weitesten Kreisen bekannt, daß man sich beispielsweise an große Dosen von Morphin, Arsen und änderten Substanzen bis zur völligen Wirkungslosigkeit gewöhnen kann. Wichtiger als die Heilung ist ihm die Verhütung von Krankheiten, auch eine durchaus moderne Anschauung. „Den Körper gesund und kräftig zu erhalten, gehört zu einem frommen Lebenswandel; denn wenn man krank ist, kann man unmöglich ein Wort von dem verstehen, in seinen Sinn eindringen oder behalten, was zur Erkenntnis Gottes gehört. Darum soll sich der Mensch von Dingen fernhalten, die seinen Körper zerstören, und die Lebensregeln befolgen, die zu seiner Stärkung und Kräftigung führen." (Baue th: Die Makrobiotik des Maimonides.) In fast allen seinen medizinischen Schriften hebt er immer wieder die Lebensweise hervor, die er den Gesunden und mehr noch den Kranken ans Herz legt. Man wird in diesem Zusammenhang als Selbstverständlichkeit voraussetzen, daß er der Aufnahme und der Auswahl der Speisen und Getränke, der Verdauung, dem Wechsel zwischen Arbeit und Ruhe, dem Schlaf, dem Baden usw. seine Aufmerksamkeit schenkt. Was er dazu sagt und wie er es sagt, könnte auch in einem neueren Lehrbuch der Diätetik stehen. Besonders auffallend jedoch ist der große Wert, den er auf Gymnastik legt, weil man ein solches Sportverständnis bei einem jüdischen Gelehrten des frühen Mittelalters nicht erwartet. Er empfiehlt allerdings nicht Sport in! unserem Sinne mit dem Ausdruck auf Höchstleistungen. Für ihn haben die körperlichen Uebungen, auf die er in fast jeder seiner medizinischen Schriften mit Nachdruck hinweist, die Bedeutung, die Gesundheit' zu erhalten oder wiederherzustellen. Als er in einer langen Abhandlung dem kranken Sultan Al-Afdal auf eine Reihe von Fragen ärztliche Ratschläge erteilt, sagt er 64

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