Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 3 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ihm neben dien Freunden vom alten VJ.St,-Berlin, neben den vielen, die der Dichter der „Dornen1' und des „Jochanan von Giskala", zu jüdischem Bewußtsein erweckt hat, der große Kreis derer, die sein gradliniges, menschliches und ärztliches Wollen verehren*. In den lYQK-^pnS heißt es zwar PÜptb D^t^"p Bbr. Jungmann beweist, daß man diesen Satz nicht verallgemeinern darf, schon garnicht gegenüber einem Jung-mann, H.K, Maimonides gehört zu den vereinzelten Kolossen des Geistes, die auch in Jahrhunderten nicht verwittern. Philosoph und Theologe von epochaler Bedeutung, war er zugleich auch einer der gelehrtesten und berühmtesten jüdischen Aerzte — nicht nur seiner Zeit, sondern des ganzen Mittelalters. Es war damals nichts Seitenies, daß jüdische Gelehrte:, die in der talmudischen und philosophischen Literatur Bedeutendes leisteten, zugleich als Aerzte und medizinische Schriftsteller tätig waren. Sie alle aber wurden an Wissen und wissenschaftlichen Einfluß von Maimonides überragt, Schon in Spanien, wo er 1135 geboren wurde und nur seine Jugend verlebte, studierte1 er mit großem Eifer die Schriften des griechischen Galen und des arabischen Avicenna, die während des ganzen Mittelalters als die Klassiker der Heilkunde galten*. Seine entscheidende Förderung als praktischer Arzt und medizinischer; Schriftsteller fand er aber wohl während seines fünfjährigen* Aufenthaltes in Fes (1160—1165). Hier im Verkehr mit mohammedanischen Gelehrten hatte er Gelegenheit, sich in die wichtige Fachliteratur und die damals am weitesten vorgeschrittene arabische Heilkunde zu vertiefen. So kam er schließlich einige Jahre später als kenntnisreicher Arzt von glänzender wissenschaftlicher Bildung nach Aegypten und eröffnete in Kairo eine regelrechte ärztliche Praxis, die allmählich einen sehr großen Umfang erreichte. Sein Ruhm drang natürlich auch in die Umgebung des1 Sultans, und so wurde er bald Leibarzt Sa lad ins und später auch seiner Nachkommen. Aus einem Briefe vom Jahre 1189 geht hervor, daß seine ärztliche Tätigkeit hei Hofe und im Volke ihn täglich bis zur Erschöpfung in Anspruch nahmt er sei zu müde, medizinische oder gar rabbinisohe Bücher zu lesen, und komme höchstens am Schabat dazu. Trotzdem erschien! im Jahre! darauf — was man kaum für möglich halten könnte — sein großes philosophisches Werk „More nbuohim". Er starb 1204 in Kairo und wurde bekanntlich in Tiberias beigesetzt, wo seine Grabstätte noch heute den Besuchern gezeigt wird. Es wäre nicht wichtig genug, die medizinische Seite seines Lebens zu würdigen, wenn isie nicht durch besondere Vorzüge charakterisiert wäre. Als Sinn und Zweck der Weisheit galt ihm die Sittlicheit, und für „ Maimunis Ethik/' sagt Hermann Cohen, „ist charakteristisch seine grundsätzliche Abneigung nicht nur gegen die Mystik überhaupt." Ethik und Vernunft, die also die Grundpfeiler seiner Philosophie und seiner Religiosität waren, sind auch die Stützen seines ärztlichen) Handelns und seiner medizinischen Schriften; In der Ausübung seines Berufes war «er von Liebe zu den Menschen geleitet und — ohne Schonung gegen sich selbst — erfüllt von der Pflicht, zu heilen und zu trösten. In einem Schreiben kurz nach eigener schwerer Krankheit klagt er (zit. nach I. Münz): „Noch jetzt sitze ich den! großen Teil des Tages auf dem Bette und das Joch1 der Kranken lastet schwer auf meinem Halse. Durch ihre Heilungen haben sie meine Kräfte verzehrt, und sie ließen mir keine freie Stunde zurück, weder des Tages noch des Nachts. Was kann ich aber dagegen! tun, nachdem sich mein1 Ruf verbreitet hat in vielen! Ländern." Und in einem Briefe an Ibn Tibbon schreibt en ..Wenn ich nun (nach der stundenlangen Tätigkeit am Hofe) sterbend vor Hunger mein Haus betrete, finde ich die Vorsäle von Menschen jeden* Standes 63