Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 3 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2827066-3186711-3186713--0990-3187014- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Beispielt dafür sind Philo in der Antike und Maimonides im Mittelalter. Beide Begegnungen waren positiv. Aus beiden resultierte eine neue synthetische Kultur. Und doch kann man aus der ersteren lernen, wiemanBegegnun gennicht gestaltet, und aus derzweiten, wie man sie für alle Zeiten treffen soll Wenn ^man diesen Unterschied herausarbeitet, versteht man, warum Maimonides für uns, noch heute seine außerordentliche Bedeutung nicht verloren hat. Philo war ein Grieche, Er kannte die jüdischen Quellen kaum, und sein ganzes Sinnen und Trachten ging dahin, die Bibel so weit in Allegorien untf Symbole aufzulösen, bis sie mit seiner griechischen Welt völlig übereinstimmte. Philo stand jenseits unserer Welt. Von der Hohe griechischer Philosophie aus blickte er auf die Bibel und tat, was er konnte, um sie zu sich emporzuheben. Es entstand in Alexandrien ejine griechisch-jüdische Philosophie. Die Begegnung war sozusagen positiv. Aber der Partner, der die Begegnung bewerkstelligte, siegte nur, indem er «ich aufgab. Das Judentum blieb dabei der Unterlegene; es mag eine Grausamkeit sein, aber instinktiv antwortete das jüdische Volk darauf richtig: Philo ward vergessen. Hätten ihn nicht die Kirchenväter gerettet, wir wüßten heute wenig über ihn. Auch Maimonides kannte die griechische Welt. Auch er war Anhänger der griechischen Philosophie. Ja, auch er löste im Gedankengebäude des Judentums vieles in Allegorien auf. Vielleicht rüttelte er sogar viel gefährlicher an manchen Säulen, die das Judentum trugen. ... Aber sein Standort war ein anderer. Das Judentum — als Gabe und Aufgabe war ihm selbstverständlich. Was er in reinem mühevollen Schaffen zeigen wollte, war nicht, daß das Judentum so dargestellt werden kann, um bestimmten Gedankengängen anderer Völker hoffähig zu erscheinen. Er erklärte im Gegenteil das Judentum selbst zum höchsten Vernunftsystem. Maimonides trug in das Judentum die ganze fremde Welt griechischer Ideologie hinein. Aber es war wie das Hineingießen eines fremden Weines in ein Faß, das kraft seines jüdischen Inhaltes alles in sich aufnahm, verarbeitete, zur Bereicherung seines eigenen innerenl Gehaltes. Nur deswegen konnte Maimonides die anerkannte große Autorität auch auf dem Gebiete jüdischer Halachah werden. Seine Synthese war positiv. Der jüdische Partner der Begegnung siegte, aber nicht durch Selbstaufgabe, nicht durch Auflösung, sondern durch Anreicherung. Den Gewinn zog das Judentum.--- IV, "Wir sehen: im System Maimonides ist vieles vergänglich. Aber einige Wege werden ihn immer an uns binden: Das System, die Geistesemanzipation und die Kultursynthese. Das „System" schuf uns das heutige Judentum. Dte Geistesemanzipation brachte nicht nur Cohen, sondern auch Achad Haam, Die „Kultursynthese" schuf unsere Ideologie über unsere Begegnung mit Westeuropa .... Dies alles ist niemals die Totalität „Maimonides". Aber dies ist er für uns. Gestern, Heute, Morgen. . . . Maimonides als Arzt Von Bbr. Max Jungmann Wir freuen uns besonders, diesen1 Beitrag unseres lb. Bbr. Jungmann zu veröffentlichen, aus dessen Feder wir lange nichts lasen. Wenn er in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag feiert, so gratulieren 62