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Der jüdische Wille · 1935-04-01 · Heft 3 (April 1935) · page 4

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 3 (April 1935)
Date
1935-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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bleiben werden. Ja, man könnte in diesem System immer wieder neue Momente entdecken, die uns noch in Jahrhunderten ansprechen werden. Drei von ihnen erscheinen mir als »die wichtigsten; Das „S y s t e m", die „Mächtigkeit dies Geiste!,«" („Schilton Hassechel"), und die „Kultursynthese" L System soll hier nicht das System irgendeiner philosophischen Richtung bedeuten1, der Maimonides folgte, -und auch nicht das spezielle philosophische System, das er in origineller Weise errichtet hat Gemeint ist vielmehr das „System" an sich; die S y s t e m' a ti sier ung als Prinzip jüdisch wissenschaftlicher Arbeit, Der Jude neigt an und für sich nicht zum System. Ihm geht der Drang nach architektonischer Geschlossenheit und harmonischer Bautechnik seiner Geistesschöpfung ab. Wer nur einigermaßen mit jüdischen Quellen zu tun hat, weiß, wie ungeordnet, unsystematisch und wie wenig übersichtlich sie sich uns repräsentieren. Schon in Bezug auf die Komposition der Bibel mußte der Satz geprägt werden, daß es in ihrer chronologischen Reihenfolge kein „früher'* oder „später" igibt. (Ejn mukdam umeuchar batorah.") Die Mischnah, die teilweise mit einem Anspruch auf Ordnung auftritt, ist bekanntlich auch nicht der glücklichste Versuch zur Lösung dieser Frage gewesen. Ueber den Talmud braucht man von diesem Gesichtspunkt aus nicht viel zu sagen. Bedenkt man all das, so wird man verstehen und ermessen können, was für eine ungeheure Arbeit, Mühe, Fleiß, und welche Größe, ja Genialität dazu gehörte, all das, was das unsystematisch denkende Judentum im Laufe von Jahrtausenden! geistig .schuf, in ein geordnetes, übersichtliches, nach Themata und Paragraphen eingeteiltes System zu bringen. Im Kampf gegen Maimonides warfen ihm seine Gegner vor, daß er mit dieser Systematik seiner Werke den Talmud verdrängen wollte, Achad Haam bezeichnet zwar diesen Vorwurf als unlogisch und meint, man1 hätte geniau so sagen können, er wolle durch seinen ,,Moreh Nebuchim" die Philosophie verdrängen. Doch Achad Haam täuscht sich wohl. In den Briefen von Maimonides an seine Schüler findet sich der Gedanke, daß er das Werk der „Mischneh-Thora" für sie geschrieben hätte, damit sie nicht umsonst ihre Zeit mit dem langwierigen Studium des Talmud vergeuden. Nicht, daß Maimonides etwa das Gedankengut des Talmud im Judentum hätte missen wollen. Aber der große Architekt, mit dem ausgesprochenen Sinn für Klarheit, für Ordnung, für Linie und für Einteilung, unterzog sich der1 großen' Mühe, um allen anderen diese Arbeit zu ersparen. Er war davon überzeugt, daß die Mischneh-Thora, kraft ihres Systems, über den Talmud siegen wird, ,. , Es ist in der Tat so gewesen. Das Werk der Mischneh-Thora bedeutet einen ungeheuren Einschnitt in der geistigen Entwicklung des) Judentums, Ohne Maimonides hätte es später keinen „Schulchan-Aruch" gegeben und ohne Maimonides hätten wir heute noch keinen Ueberblick über das geistige Schaffen unseres Volkes in der Zerstreuung. Von der Mischneh-Thora zur Wissenschaft des Judentums in Deutschland im vorigen11 Jahrhundert führt eine gerade Linie. .... IL Nach den einleitenden Worten dieses Aufsatzes braucht kaum mehr betont zu werden, daß der folgende Teil nicht das maimonidische System des Rationalismus behandeln will. Unter den drei verschiedenen Wegen jüdischen Denkens, nämlich dem Rationalismus, dem Traditionalismus und der Mystik« wählte Maimonides das erste dieser Systeme für sein Gedankengebäude. Und 60

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