Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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Tatbestand zu bekümmern. Wir stehen nun einmal — und auch das ist wie in Europa — in so schwerwiegenden innen- und außenpolitischen Problemen, daß Stellungnahme und Mitwirkung auf diesem Gebiet heute erste Staatsbürgerpflicht ist. Es ist, wie die Dinge heute liegen, unmöglich, sich — wie Sie und wie wir auch wollen — an „Organisation, Verwaltung, Kommunalpolitik, Wirtschaft, sozialen Verhältnissen" und sofort zu beteiligen, ohne dabei auch eine politische Haltung einzunehmen. Gerade Sie als Kenner der Verhältnisse sollten doch eigentlich wissen, daß das nicht geht. Gewiß, man kann diesen Zustand der allgemeinen Politisierung beklagen, aber man kann doch nicht leugnen, daß er besteht. Zu überwinden aber — und darin liegt ein wesentlicher Unterschied unserer Auffassung — ist er nicht durch unpolitische Menschen, die Neutralität proklamierenden*! dabei^^- wie ausgeführt — ^r nicht neutral sinjd), sondern durch die^lfeTsTarEung jener Kräfte, die zwischeö>de»» c widerstreitenden Flügelparteien die Mitte halten. Je stärker sie sind, umso eher können sie ausgleichend und abschwächend wirken. Je schwächer sie sind, umso größer ist die Gefahr des brudermörderischen Kampfes der beiden grundsätzlich getrennten Lager. Diese Mitte aber heißt „allgemeiner Zionismus", und er ist bis jetzt in Palästina äußerst schwach und bedeutungslos. Wenn nun fünfzehn- bis zwanzigtausenid neue Menschen aus Deutschland gekommen sind, aus dem Lande, in dem der allgemeine Zionismus vorherrschend war; und wenn wir nun den Versuch machen, diese Menschern — und zwar, wenn möglich, mit Hilfe des KJV. — zu erziehen und zu organisieren, um der ausgleichenden Mitte des allgemeinen Zionismus in Palästina erhöhte politische Bedeutsamkeit zu verleihen — dann wird damit weder eine neue Partei geschaffen, die zu den schon vorhandenen tritt, noch tragen wir „galuthgebundene Gedanken", die hier fremd sind, in den Jishuw hinein. Wir verstärken und beleben nur Vorhandenes. Alle Ihre Einwände treffen deshalb vollkommen nebenbei. Wenn ein Mann wie Schmarja Lewin, den. Sie doch wahrscheinlich nicht palästinafremd nennen werden, sich uns anschließt und öffentlich für uns einsetzt, dann tut er es eingestandenermaßen, weil er in uns die Kräfte sieht, die die Möglichkeit hätten, den allgemeinen Zionismus wieder zu einer Macht im Lande werden zu lassen, und damit der allgemeinen Befriedung zu dienen. Wir bleiben übrigens dabei auch durch die Vereinigung mit dem allgemeinen Zionismus gar keine deutsche Gruppe, sondern führen unsere Mitglieder unmittelbar in die palästinensische Wirklichkeit hinein. Und wenn ich den von Ihnen so verächtlich behandelten Ausdruck gebrauchte, daß wir den Kern abgeben können, um den sich die Kräfte scharen — so war das unmittelbar aus der palästinensischen Wirklichkeit herausgesprochen. In unserer dauernden engen Fühlungnahme nämlich mit den gleichgerichteten Kräften des Jishuw (den Progressiven im allgemeinen Zionismus, den nationalen Bauern um Suchowitzki, der allgemeinen zionistischen Jugend) ergab sich immer wieder, daß alle diese Gruppen sich schwach und isoliert fühlen und nichts sehnlicher wünschen, als daß wir kommen und ihnen die starke Gruppe geben, der sie sich anschließen können. Und Schmarja Lewin sogar hat immer wieder gesagt: seht doch nicht so ängstlich um Euch, organisiert Eure Deutschen, und ihr werdet auch den Jishuw haben, soweit eine Richtung ihn haben kann. Diese Aufgabe also, den allgemeinen Zionismus, aus dem die Mehrzahl unserer Menschen aus Deutschland kommt, hier zu einem politisch wirksamen Faktor zu machen, seine Mitgliederzahl (was durchaus möglich ist) zu vervielfachen, ihm eine lebendige aktive Führung zu geben und seine Mitglieder, statt — wie Sie meinen — vom Jishuw fernzuhalten, in ihn durch diese direkte Teilnahme am politischen Leben des Jishuw hineinzuführen — das allerdings 50