Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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schädlich und unfruchtbar halte und muß mich daher vom KJV. loslösen — nicht leichten Herzens, nachdem ich 35 Jahre hindurch eine lange unÄ schwere Wegstrecke mit ihm zusammen gegangen bin. M. H e c k e r. Antwort von Bbr. Gustav Krojanker an Max Hecker Sehr geehrter Herr Hecker! Ihr Schreiben vom 17. er, gibt mir erwünschten Anlaß, die brennendem Fragen unseres Interesses mit einem ernsthaft um unsere Probleme bemühten Menschen zu erörtern. Und ob Sie nun ausgetreten sind oder nicht — wir führen eine KJV.-Diskussion, in der es wirklich um die Frage unserer Existenzberechtigung geht. Ich lasse dabei Ihre Einwände gegen Rosenblüth unbeantwortet, nicht etwa weil ich sie teile, sondern weil ich es Rosenblüth überlassen muß, dazu selbst Stellung zu nehmen. Der Inhalt meiner Ausführungen auf dem Kartelltag ist nach Ihnen „aus einer völlig palästinafremden Welt erwachsen und von einem galuthgebundenen Geist durchtränkt", wie überhaupt der ganze Ton Ihrer Erörterungen darauf abgestellt ist, das vorlaute „Greenhorn" in seine Schranken zurückzuweisen. Nun bin ich gern bereit, zuzulernen und mich belehren zu lassen. Allerdings müßte dann zu der absprechenden Beurteilung auch noch das sachliche Argument treten, das meine Palästinafremdheit erweist. Ich kann es bei aller Bereitschaft in Ihren Behauptungen nicht finden. Richtig ist, daß die politischen Kategorien, in denen ich denke, aus Europa stammen., Ich bin an sie seit einigen Jahrzehnten gewöhnt und fand, als ich hierher kam (vor zwei Jahren, aber Palästina war mir ja auch schon vorher nicht fremd), keineswegs eine so veränderte Welt vor, daß es mir dir Sprache verschlug. Im Gegenteil, ich fand leider alles wieder, wie ich es kannte, natürlich mit besonderen Nuancen, die aus besonderen, aber mir doch auch wohlvertrauten Bedingungen kommen. Und ich wäre auch außerordentlich erstaunt gewesen, wenn ich hier etwas grundsätzlich anderes vorgefunden hätte. Palästina liegt doch nicht auf dem Mond. Es wird von europäischen Menschen mit europäischen Methoden und unter den Bedingungen der modernen kapitalistischen Wirtschaft, die überall die gleichen sind, aufgebaut. Zudem — darin haben Sie ganz recht — bringen alle diese Menschen auch ihre palästinafremden Gedanken hierher mit, aber —so füge ich jetzt hinzu — indem sie das tun, wirken sie damit auch auf die palästinensische Wirklichkeit zurück. Ich meinerseits sehe also eine Arbeiterschaft, die sich aus gemäßigten und radikaleren Elementen zusammensetzt; ich sehe ein Bürgertum, das ohne wirklich feste eigene Basis, die es eindeutig charakteresiert, sich im wesentlichen durch seine Haltung, die es entweder gegen rechts oder gegen links einnimmt, darstellt. Ich sehe schließlich eine revisionistische Gruppe, die man ohne falsche Analogie als faschistisch bezeichnen kann. Und wenn ich in den wesentlichen Zügen all dieser Erscheinungen beim, besten Willen nichts entdecken kann, was meinen „galuthgebundenen Geist" aus dieser Bindung befreien könnte, so vermisse ich leider auch in Ihren Darlegungen jeden positiven Hinweis darauf, warum diese meine Auffassung der Lage so durchaus palästinafremd ist. :| 47