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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1935) · page 46

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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von der Allgemeinheit losgelösten Interessen und Bedürfnisse existieren. Das ist auch der Grund, weshalb ich ebenso die neugegründete „Zionistisch-akademische Gesellschaft" ablehne. Und nun noch ein Wort als Erwiderung auf die Forderung, die Bewährung des KJV. gerade in seiner Politisierung zu suchen. Die Politik ist lediglich ein Teilausschnitt aus den Problemen Palästinas und gerade derjenige, auf dem die effektiven Einflußmöglichkeiten der Bevölkerung nach außen hin am begrenztesten sind. Sie ist gebunden an politische Parteien, die zum größten Teil einer überholten Epoche enstammen und deren Ideologie vornehmlich im Galuth entstanden, jedoch nicht in der palästinensischen Wirklichkeit verankert ist. Natürlich fehlt es innerhalb des Jishuw nicht an sogar recht tiefgehenden Gegensätzen und Spannungen, die aber vornehmlich auf wirtschaftlichen und kulturellen Gebieten liegen. Diese nun einmal unvermeidlichen Spaltungen decken sich aber meist garnicht oder nur unvollkommen mit den Differenzen der politischen Parteien, die vielmehr künstlich hineingetragen worden sind. Es ist widersinnig und schädlich, daß alle Parteien, die einmal aus gewissen Konstellationen der Kongresse entstanden sind, nun auch in allen Institutionen und Körperschaften des Jishuw einzudringen suchen und ihre Vertretung beanspruchen. Tatsächlich ist das Gros des palästinensischen Jishuw und besonders die am schaffenden Aufbau tätigen Kräfte, vorwiegend unpolitisch eingestellt. Sie wollen Frieden und Stetigkeit der äußeren und inneren Verhältnisse, um sich ungestört auf die Ueberwindung der überreichlichen Schwierigkeiten in ihrer Arbeit konzentrieren zu können. Die Zerklüftung und Zersetzung, die durch die politischen Parteien immer weiter getrieben wird, bedroht aufs ernsthafteste die Existenz unserer Gemeinschaft und das Gedeihen unseres Werks. Die ständige Neubildung von Parteien, die Spaltung bestehender Parteien in Sondergruppen, die gegenseitige Bekämpfung und Herabsetzung (für die meisten Gruppen und Grüppchen das einzige Aktivum ihrer Betätigung) verschärfen immer mehr die Situation. Mag immerhin, wer von KJV.ern bisher in einer politischen Partei aktiv gewesen ist, sich weiterhin innerhalb derselben betätigen — unverantwortlich ist es aber, in einer Zeit so bedenklichen Zerfalles unpolitische Naturen gleichfalls zur Politisierung aufzustacheln oder gar neue Parteigruppen zu schaffen, die das bestehende Chaos noch weiter vermehren. Es ist Naivität oder Anmaßung, sich einzubilden, daß derartige neue Sondergruppen — und nun gar solche, die wie Krojankers Aufsatz beweist, in der hiesigen Umwelt noch recht fremd sind und ihre geistigen Grundlagen aus einer ganz fremden Sphäre herholen —, sich berufen glauben, daß sie im Laufe der Zeit „den Kern abgeben werden, um den sich von allen Seiten die Kräfte scharen werden". Umso bedenklicher sind solche Schritte, als ohnehin die Absonderungstendenz der deutschen Alijah übermäßig ausgeprägt ist und bereits eine recht fühlbare Reaktion seitens des Jishuws ausgelöst hat. Gerade entgegengesetzt ist die Forderung der Stunde, die von allen einsichtigen, nicht parteiverblendeten Zionisten immer mehr erfaßt und vertreten wird: die künstlich geschaffenen Gegensätze zu überbrücken, den Streit der Parteien zu befrieden, die Interessen der Gesamtheit über die Sonderinteressen der einzelnen Parteigruppen zu stellen. Dieser Weg der Entpolitisierung und Ueberwindung der Parteien ist auch der meine. Ich sehe, daß er verschieden ist von dem Weg, auf den das KJV. von seinen neuen Führern nicht nur in ihren theoretischen Auseinandersetzungen, sondern auch durch ihre aktive Tätigkeit gedrängt wird. Ich kann diesen Kurs nicht mitmachen, da ich ihn für 46

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