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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1935) · page 44

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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irgendwie detaillierten Angaben, über die zur Verwirklichung einer solchen erforderlichen Schritte. Um diese Inhaltslosigkeit zu verdecken, wird in breiten Ausführungen der beiden Hauptverfasser der Versuch gemacht, den „Sinn" des KJV. in Palästina zu entdecken. Beide kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, diesen Sinn in der Politisierung des Kartells zu finden. Nach Krojanker „kann der gemeinsame Bewährungsgedanke unserer Gemeinschaft hier nur politischer Natur sein". Rosenblüth geht noch weiter mit der Erklärung, daß „das Kartell in einer entscheidenden Stunde der jüdischen Entwicklung auf* getreten ist, um die Unpolitischen zu aktivieren, um sie im Entscheidungskampf des jüdischen Volkes zu mobilisieren". Große, aber etwas schleierhafte Worte. Beide Autoren geben sich leider nicht viel Mühe, nachzuweisen, warum der Sinm des Kartells ausgerechnet nur durch die Politisierung erfüllt werden kann und nicht auf andere Weise. Dafür entschädigen sie uns, und besonders eingehend Krojanker, durch die Aufdeckung der Grundlagen, auf denen nach ihrer Meinung die Notwendigkeit einer „gemeinsamen politischen Bewährung" beruhen soll. Er findet sie in der „Gemeinsamkeit unseres Werdens, in unserem Ausgang aus dem besten bürgerlichen Gedankengut des 19. Jahrhunderts", oder anders ausgedrückt, in dem demokratischen Liberalismus, der in Deutschland einen kleinen Teil des Bürgertums und vor allem den jüdischen Mittelstand etwa ein Jahrhundert hindurch beherrscht hat. Dabei gibt Krojanker selbst zu, daß der Liberalismus es weder in Deutschland noch auch anderswo jemals zu nennenswerten positiven Leistungen gebracht und schließlich sogar jämmerlichen Schiffbruch erlitten hat. Man sollte also recht vorsichtig damit sein, ihn nun gerade für unsere jüdische Gemeinschaft in Erez Israel als Panazee zu empfehlen. Vor allem aber übersieht Krojanker, daß dieser Liberalismus es gewesen ist, mit dem im engsten Kausalzusammenhang die Assimilation und Entjudung in Westeuropa während eben derselben Epoche verknüpft gewesen sind. Somit müssen wir Nationaljuden es entschieden ablehnen, das überlebte und zertrümmerte Phantom des deutschen Liberalismus uns zum Vorbild zu nehmen. Am allerwenigsten ist dies für Palästina angebracht, wo das entscheidende Gros der jüdischen Bevölkerung, das sehr abweichenden Umwelten entstammt, der Sphäre des deutschen Liberalismus absolut fernsteht. Obendrein ist sie aus den Erfahrungen der Vergangenheit genügend belehrt, um durchdrungen zu sein von dem Bewußtsein der Notwendigkeit, daß wir uns von allen fremden Vorbildern entschieden loslösen und eigene Wege versuchen müssen, die der Besonderheit unseres Volkes und Landes gemäßer sind. Wollen die deutschen Einwanderer — und mit ihnen die KJV.er — das ihnen hier gewesene Ziel richtig erfassen, dann bleibt ihnen keine andere Wahl, als gemeinsam mit dem gesamten Jishuw jene Wege zu verfolgen und einen absoluten Trennungstrich von ihrer in Deutschland verbrachten Vergangenheit zu ziehen. Es ist eine national-ökonomische Naivität, das demokratische Rezept für den palästinensischen Jishuw durch die Behauptung schmackhafter machen zu wollen, daß „die Demokratie den wirtschaftlichen Voraussetzungen Palästinas entspricht, das auf einer Wirtschaftsstufe steht, die früher in anderen Ländern eine Blütezeit des liberalen Gedankens zur Folge hatte". Und ebenso dürfte sich die Arbeiterschaft Erez Israels dafür bedanken, von den Aposteln des neuen Liberalismus in den Kreis der demokratischen Gemeinschaft gnädig mit aufgenommen zu werden, um „auch äußerlich zu dem gemacht zu werden, was sie in Wahrheit ist, zu einer Blau-Weiß-sozialistischen Partei". Ebenso wenig wird sie sich von der Drphung schrecken lassen, die ihr das Schicksal der deutschen und österreichischen. Sozialdemokratie prophezeit, wenn nicht „ein linkes Bürgertum da ist, auf das sie sich stützen kann". 44

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