Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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ristischen Formen und die Uebersteigerung der Rolle des „Führes" ewachsen sind usw. Da diese Grundgedanken dazu verurteilt sind, unrealisierbare Schemen zu bleiben, und andererseits den Revisionisten zu positiven, aufbauenden Leistungen die materielle Kraft und Fähigkeit abgeht, so mußte ihre Aktivität sich notwendigerweise in der Richtung der gekennzeichneten Auswüchse entwickeln und entladen. Nicht diese allein, sondern noch mehr ihre Wurzeln müßte ein richtig und würdig geführter Kampf treffen. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf den erstaunlichen Widerspruch zwischen den Beschlüssen vom Oktober 1933 und August 1934 hinweisen. Der erste richtet sich ausdrücklich „nicht gegen die politischen Ziele des Revisionismus, da das KJV. grundsätzlich jedem seiner Mitglieder freistellt, sich nach seinem politischen Ermessen jeder der zionistischen Organisation angehörenden Partei oder Gruppe anzusdiließen". Dagegen geht der letztere Beschluß weit darüber hinaus, indem er „die Zugehörigkeit zur revisionistischen Union mit der Zugehörigkeit zum KJV. für unvereinbar" erklärt. In den dazwischen liegenden zehn Monaten ist kein wesentlich neues Moment eingetreten, das nicht schon vorher wirksam oder bekannt gewesen wäre, und tatsächlich gehen auch die meisten der von Rosenblüth herangezogenen Zitate in die Zeit vor dem ersten Beschluß zurück. Aus dem Widerspruch erkennt man, daß auf beiden Tagungen keine klare, solid unterbaute Meinungsbildung existierte, sondern daß, wie es gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten der Fall ist, eine wenig informierte Masse durch die suggestive Gewalt gewandter Redner mitgerissen wird. Doch mag dem sein, wie es wolle, hier steht nur die Frage vor uns: was hat diese an und für sich berechtigte, aber vor ein anderes Forum gehörende Auseinandersetzung mit dem Revisionismus gerade innerhalb des KJV. zu tun? Rosenblüth gibt selbst an, daß die Zahl der aktiv revisionistischen Bundesbrüder in Palästina nicht mehr als 5 bis 6 betrug, also weniger als 1 Prozent der Gesamtzahl. Somit konnte die Gefahr der Ueberfremdung des KJV.-Geistes mit revisionistischem Gedankengut wahrlich nicht gar zu bedrohlich gewesen sein, um es zu rechtfertigen, daß das hiesige Kartell sich ein Jahr lang mit nichts anderem beschäftigt hat. Und welche Wirkung konnte der durch die Ausschließung errungene „Sieg" auf die Niederwerfung des Revisionismus in Palästina ausüben? Geben doch die Verfasser beider Aufsätze selbst zu, daß dem Kartell vorläufig noch jede Wirkungskraft innerhalb der palästinensischen Gesamtheit abgeht, und tatsächlich ist dieser Schritt in weiteren Kreisen auch vollständig unbemerkt und ohne Nachhall geblieben. Schließlich muß diese Kampfansage umso sonderbarer anmuten, als gerade jetzt von verschiedenen Seiten und bis hinauf zu den höchsten Instanzen der Zionistischen Organisation die ernstesten Versuche gemacht werden, eine Brücke zwischen den streitenden» Parteien zu schlagen, um den unser Werk so gefährdenden Bruderkampf abzuschwächen. Noch ist ihr Erfolg nicht zu übersehen, aber jedenfalls ist es gerade vom Standpunkt des von unseren Verfassern so betonten Gesamtinteresses unverantwortlich, in einem solchen Zeitpunkt das Feuer des Parteibaders unnötigerweise noch zu schüren. Ich wende mich dem positiven Teil des vorliegenden Heftes zu. Sein Kerngehalt ist im letzten Aufsatz „Unsere ersten Schritte" zu suchen, der eine Art Arbeitsprogramm für das KJV. in Erez Israel zu umreißen versucht. Was nach einjähriger Vorbereitungszeit dabei herausgekommen ist, erscheint erschreckend dürftig. Das Programm bewegt sich lediglich in banalen, verschwommenen Allgemeinheiten, die im großen und ganzen auch schon vor Jahresfrist zum Ausdruck gebracht wurden. Und ebensowenig wie bisher auch nur eine einzige Aufgabe konkretisiert worden ist, enthält auch dieser Aufsatz keine 43