Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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Brief von Max Hecker an das Palästina m Präsidium Ich habe Anfang August, noch vor dem Kartelltag, meinen Austritt aus dem KJV, erklärt. Das für diesen Schritt entscheidende Moment war nicht so sehr der Streitgegenstand des Kartelltages, wenngleich auch er von starkem Einfluß gewesen ist. Vielmehr trieb mich vor allem die bei mir immer zwingender gewordene Ueberzeugung, daß es dem Kartell nicht gelungen ist, sich in Palästina eine konstruktive Aufgabe zu setzen und er darum in der geänderten Umgebung seine Existenzberechtigung verloren hat. Ich habe diese Ueberzeugung in meinem Austrittsschreiben des näheren begründet. Das Präsidium bat mich, meine endgültige Entscheidung zurückzustellen, bis eine bevorstehende Veröffentlichung das von mir vermißte positive Programm des KJV. zum überzeugenden Ausdruck bringen würde. Ich habe dem zugestimmt in der Meinung, daß ein solcher Schritt das Ergebnis gewissenhafter Erwägung aller in Betracht kommender Momente sein müsse und nicht im Affekt der Erregung einer stürmischen Tagung erfolgen dürfe. Ich habe dem Heft der „Mitteilungen" ein sorgfältiges Studium gewidmet. Trotzdem hat es nicht vermocht, meine oben ausgesprochene Ueberzeugung zu entkräften und meinen Entschluß zu korrigieren. Um nicht den Eindruck einer oberflächlichen oder von Vorurteilen bestimmten Entscheidung zu erwecken, halte ich es für angebracht, unter Anknüpfung an den Inhalt des Heftes meine abweichende Stellung kurz darzulegen. Dazu veranlaßt mich auch die Annahme, daß ein solches von der vorherrschenden Meinung abweichendes Urteil anregenden Wert für die Lösung der Zentralfrage des KJV. besitzen kann, die ja auch noch nach dem Kartelltag und nach diesem Heft als ungelöst anerkannt wird: die Gestaltung und Durchführung eines positiven Arbeitsprogramms des Kartells in Erez Israel. Daher übergebe ich die nachfolgenden Ausführungen als Material für die weitere Diskussion, die zweifellos folgen wird. Daß es die Meinungsäußerung eines nicht mehr dem Kartell Angehörigen, also gewissermaßen sein „Testament" darstellt, dürfte wohl kein Ausschließungsgrund sein, nachdem auch ein Hauptartikel des vorliegenden Textes in die Form eines Briefes an einen ausgeschiedenen Bundesbruder gekleidet ist. Der Inhalt des Heftes bietet so viel Stoff zur Kritik, daß eine vollständige Behandlung über den Rahmen meiner Erwiderung weit hinausgehen würde.. Daher beschränke ich mich auf einige wesentliche Grundzüge. Der Inhalt gliedert sich in einen positiven Teil, die Setzung eines aktiven Programms und seine Begründung, und einen negativen, die Bekämpfung des Revisionismus. Ueber den letzteren Teil werde ich flüchtig hinweggehen, weil er mir in diesem Rahmen überhaupt nicht am Platze erscheint. Die hier angewandte oberflächliche Art der Beweisführung, die lediglich mit einzelnen aus dem Zusammenhang gerissenen Preßblüten operiert, widerstrebt mir innerlich, obwohl ich selbst seit jeher entschiedener Gegner des Revisionismus gewesen bin. Von Rosenblüth hätte ich erwartet, daß er etwas tiefer schürfen würde* um die Grundlagen des Revisionismus bloßzulegen, in denen das nicht minder Bedenkliche seiner Ideologie liegt. Ich verstehe darunter den intoleranten .Anspruch auf die ausschließliche Verkörperung des wahren Zionismus, das Postulat des „Judenstaates" als der einzig zulässigen Form unseres Gemeinwesens, die hieraus hervorgehende Ignorierung der in Palästina sonst noch wirksamen Realitäten, die Forderung der Legion, aus der das gefährliche Spiel mit milita- 42