Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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anschlagen lassen. Da hat das KJV. das Recht zu sagen, solche Revisionisten haben keinen Platz im Bunde. Und hier ist keine Aufgabe mehr für einen Ehrenrai Ich kann nicht anerkennen, daß hier, bei dem Beschlüssen von Tel-Aviv ein Bruch der KJV.-Neutralität vorgekommen ist. Nun will ich zugeben, es ist eine Tatfrage. Ihr habt zugegeben, daß, wenn Fröhlich einen solchen Aufruf plakatiert und die anderen nicht davon abrücken, dies nicht vereinbar ist mit der Grundhaltung des KJV. Das ist eine Tatfrage. Deshalb erkläre ich, ich werde weder ja noch nein zu dieser Sache sagen, sondern ich sage: es liegt hier eine Tatfrage vor, deren Beurteilung ich der Mehrheit des1 palästinensischen Kartells überlassen möchte. Ihr könnt die Frage auch nicht beurteilen, und ich werde mich nie auf die Linie begeben, zu sagen, es liege eine Traditionsverletzung vor. Juristerei ist eine schöne Sache; aber man soll möglichst wenig davon Gebrauch machen. Wenn Ihr den Wunsch habt, auch jetzt noch auszusprechen, daß das Palästinakartell einen Neutralitätsbruch begangen hat, so will ich Euch trotz des Ausgangs der Abstimmung über die Resolutionsfrage diese Möglichkeit geben. Dann müßt Ihr freilich, wenn Ihr das Vorliegen eines Neutralitätsbruches bejaht, Euch einen anderen Präsiden suchen. Nun zum zweiten Satz der Resolution. Das Bedauern des Ausscheidens so zahlreicher bewährter Bundesbrüder war allgemein. Darüber sind wir uns alle einig. Nun hat Scherek gesagt, die Trauer sei ihm nicht tief genug. Da muß ich freilich sagen: ich kann nicht weinen. Es gibt so viel schmerzlichere Dinge heute. Die ausgetretenen Bundesbrüder werden ihren Weg als Zionisten weitergehen. Sie sind doch nicht in einer Einöde. Auch einer meiner allernächsten persönlichen Freunde und zionistischen Mitkämpfer, Bileski, ist einmal aus dem KJV. ausgeschieden, und doch fühle ich mich ihm gegenüber in keiner Weise befangen, wenn ich mit ihm zusammenkomme. Wir alle haben den Wunsch, daß die Sache nicht endgültig so bleibt; wir müssen aber die Tatsache des Austritts der Bundesbrüder zur Kenntnisnehmen, und wir können als Kartellinstanz, unbeschadet rein persönlicher Freundschaften — jeder mag weiter an seinen persönlichen Freund schreiben — die Ausgeschiedenen nicht mehr als Bundesbruder betrachten. Das wäre eine Disiplinverletzung, die ich nicht mitmache. Der Austritt aus dem Landesverband ist Austritt aus dem KJV. Wir bedauern ihren Austritt und hoffen, daß wieder einmal eine andere Situation kommt, wo der größte Teil wieder zu uns kommt. In einer nun folgenden Geschäftsordnungsdebatte erhebt sich die Frage, in welcher Form und wie das Ergebnis der Tagung zusammengefaßt werden soll. Bbr, Egon Rosenberg stellt einen Vertrauensantrag für Salli Hirsch. Die Mehrheit hält diesen Antrag für ungeeignet, und der Antrag wird daraufhin zurückgezogen. Salli Hirsch faßt kurz das Ergebnis zusammen: Wir können uns über bestimmte Dinge einigen: Einmal darüber, daß nach dieser Tagung bis zum Kartelltag die Sache abgeschlossen ist. Wir sind uns weiter einig im Bedauern darüber, daß das Präsidium in Palästina alle Anstrengungen zur Rückgewinnung der Ausgeschiedenen machen soll. Einig in der Feststellung, daß wir in Deutschland natürlich keine Veranlassung haben, derartige Beschlüsse wie in Palästina zu fassen. In den übrigen Fragen gehen die Meinungen der Bundesbrüder auseinander. 4t